Johann Ehn (1852–1937)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Johann Ehn; in den USA: John Ehn; Heirat mit:
Mutter: [?]
Lebensgefährtin: Franziska Faber: Hausfrau; Radicale
Ehe: in New York City (New York, USA) 1885 mit »Minnie« Wilhelmine Eisen ([?], Bayern November 1857 – New York City, New York, USA 193?)
Tochter: »Kate« Catherine Ehn, verheiratete Cooley (New York City, New York, USA Dezember 1887 – ?)
Sohn: John Ehn (New York City, New York, USA 1, Jänner 1889 – New York City, New York, USA Mai 1967): Schneider
Tochter: »Minnie« Wilhelmine Ehn, seit 19. November 1910 verheiratete Sklenar (New York City, New York, USA 23. Oktober 1891 – ?)
Tochter: Lizzie Ehn (New York City, New York, USA 1893 – 20. Jänner 1893)
Biographie
Johann Ehn absolvierte eine Lehre als Tischler und schloss sich als Tischlergehilfe der radicalen Arbeiterbewegung in Wien an. Er lebte mit seiner Lebensgefährtin Franziska Faber 1883 am Wienerberg in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]). Hier spielte das Paar eine wichtige Rolle bei der Herstellung radicaler, illegaler Druckschriften.
Mitte Mai 1883 erschien die zweite Nummer der Untergrundzeitung »Erste Freie Presse Cisleithaniens« [Inzersdorf (Wien)], »Reaction – Revolution«..1 Diese wurde in der Wohnung des Tischlergehilfen Johann Slezák (1851–1907) vom Schriftsetzer Ferdinand Hübner (1859–1897) gesetzt und von Johann Ehn und Franziska Faber in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]) gedruckt.
In der Nacht vom 14. auf den 15. August 1883 wurde erstmals das Flugblatt »Mahnruf an alle Arbeiter und Männer des Volkes«2 in mehreren Bezirken Wiens ausgestreut. Auch dieses wurde in der Wohnung von Johann Slezák von Ferdinand Hübner gesetzt und von Johann Ehn uns Franziska Faber in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]) gedruckt.
Am 22. Oktober 1883 tauchte in Graz (Steiermark) erstmals das Flugblatt, »Arbeiter! Große Krankheiten […] [/] Dělníci! Vzbůru lide pracujici […]«3 auf. Dieses wurde neuerlich in der Wohnung dvon Johann Slezák von Ferdinand Hübner gesetzt und von Johann Ehn und Franziska Faber in Inzersdorf gedruckt. Da die alte Druckpresse nicht mehr gut genug war, wurde sie nach diesem Flugblatt von Johann Slezák und dem Schlossergehilfen Johann Rouget (1847–1893) aus der Wohnung von Johann Ehn nach Altmannsdorf (Niederösterreich [zu Wien 12.]), Laxenburger Straße 67 [Altmannsdorfer Straße], gebracht, wo sie am 18. November 1883 von der Polizei entdeckt wurde.
Am 4. November 1883 erschien die erste und einzige Nummer der tschechischen Untergrundzeitung »Lipanské červánky« (Ženeva [recte Wien – Inzersdorf (Wien)]; Die Morgenröte von Lipany).4 Diese wurde vom Schlossergehilfen Valentin Horatlik (1857–?) gesetzt und in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]) in der Wohnung von Johann Ehn und Franziska Faber gedruckt. Dazu wurde bereits die von Valentin Horatlik und Johann Slezák neu hergestellte Druckerpresse benutzt.
Am 17. Februar 1884 tauchte in Wien und seinen Vororten erstmals das Flugblatt »Aufruf an die Proletarier Wiens!«5 auf, unterzeichnet mit »Wien, im Februar d. J. Das Executiv-Comité der Social- Revolutionäre Oesterreichs«. Dieses wurde über Aufforderung des Schriftsetzers Eduard Brady (1853–?) in Wien 10., Goethestraße 18 [Uhligstraße], von Ferdinand Hübner gesetzt und von Johann Ehn in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]) gedruckt. Eduard Brady und Valentin Horatlik holten dann die Flugblätter dort zur weiteren Verteilung ab.
Am 12. März 1884 tauchte in Wien erstmals das Flugblatt »An die Anarchisten Wiens!«6 auf, unterzeichnet mit »Das Executiv-Comité der Social-Revolutionären Oesterreichs«. Dieses wurde über Aufforderung von Eduard Brady in Wien 10., Goethestraße 18 [Uhligstraße], von Ferdinand Hübner gesetzt und von Johann Ehn in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]) gedruckt. Eduard Brady und Valentin Horatlik holten dann die Flugblätter dort zur weiteren Verteilung ab.
Da sich mittlerweile die Nachforschungen der Behörden intensiviert hatten, wurde Johann Ehn und Franziska Faber der Boden in Wien zu heiß. Um den 13. April 1884 flüchteten sie in die USA. Es wurde daher notwendig, die Druckerpresse aus deren Wohnung in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]) zu übersiedeln. Eduard Brady, Ferdinand Hübner und der Schriftsetzer Friedrich Weninger (1862–1914) brachten die Druckerpresse nun in die eigens dafür angemietete Wohnung in Wien 3., Tongasse 5. Von hier wurde sie im Juli 1884 in die Wohnung des Schlossergehilfen Thomas Schönauer (1850–1888) nach Wien 3., Erdbergstraße 31, und Anfang August 1884 in die Wohnung des Zimmermalers und Anstreichers Willibald Buchmann (1854–?) in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]), Kirchstetterngasse 53, gebracht und kurz darauf in ein von Buchmann angemietetes Kellerlokal, Kirchstetterngasse 41, verlegt. Hier wurde die geheime Druckerei am 3. September 1884 von der Polizei ausgehoben.
Vom 26. bis 29. November 1884 fand vor dem Ausnahmsgericht Wien der so genannte Anarchistenprozess gegen die Betreiber der geheimen Druckerei von Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]) statt. Alle zwanzig Angeklagten wurden der Verbrechen des Hochverrats, der Majestätsbeleidigung, der Beleidigung von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses, der Religionsstörung sowie der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung angeklagt und bis auf zwei Freigesprochene zu hohen Strafen verurteilt. Das im Zusammenhang mit diesem Prozess von den Behörden gesuchte Paar Franziska Faber und Johann Ehn wurden am 26. Oktober 1884 zur Fahndung ausgeschrieben: »4099 Ehn Johann, Tischlergeh., u. dessen Zuhälterin 4100 Faber Franziska, Beide bis Frühjahr 1884 in Inzersdorf am Wienerberg wohnh., sind beschuldigt, an der geheimen anarchistischen Druckerpresse bei der Erzeugung von hochverrätherischen Flugblättern mitgewirkt zu haben u. sind anh. einzulief. Land.-Ger. Wien 26/10. 84.«6
Sicher ist, dass Johann Ehn in die USA flüchtete, wo er in New York City (New York, USA) als Tischler arbeitete, 1885 die in Bayern geborene »Minnie« Wilhelmine Eisen (1857–193?) heiratete und – zumindest eine Zeit lang – in der Arbeiterbewegung aktiv blieb. Die Spur von Franziska Faber verliert sich seit April 1884.
Johann Ehn und seine Lebensgefährtin Franziska Faber wurden am 26. Oktober 1884 zur Fahndung ausgeschrieben: »4099 Ehn Johann, Tischlergeh., u. dessen Zuhälterin 4100 Faber Franziska, Beide bis Frühjahr 1884 in Inzersdorf am Wienerberg wohnh., sind beschuldigt, an der geheimen anarchistischen Druckerpresse bei der Erzeugung von hochverrätherischen Flugblättern mitgewirkt zu haben u. sind anh. einzulief. Land.-Ger. Wien 26/10. 84.«7
Johann Ehn flüchtete noch 1884 in die USA, wo er in New York City (New York, USA) als Tischler arbeitete, 1885 die in Bayern geborene, 1871 in die USA ausgewanderte »Minnie« Wilhelmine Eisen (1857–193?) heiratete und – zumindest eine Zeit lang – in der Arbeiterbewegung aktiv blieb. Die Spur von seiner einstigen Lebensgefährtin Franziska Faber verliert sich seit April 1884.
Kategorien
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Februar 2025
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
Copyleft
- 1
Vgl. Erste Freie Presse Cisleithaniens. Nr. 2. Reaction – Revolution. [Inzersdorf (Wien)]: [Johann Ehn und Franziska Faber] 1883, Flugblattzeitung. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 18. Mai 1883 in Österreich verboten.
- 2
Vgl. [anonym]: Mahnruf an alle Arbeiter und Männer des Volkes. [Inzersdorf (Wien)]: [Johann Ehn und Franziska Faber] [1883], Flugblatt. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 16. August 1883 in Österreich verboten.
- 3
Vgl. [anonym]: Arbeiter! Große Krankheiten […][/] Dělníci! Vzbůru lide pracujici […]. [Inzersdorf (Wien)]: [Johann Ehn und Franziska Faber] [1883], Flugblatt. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Graz vom 2. November 1883 in Österreich verboten.
- 4
Vgl. [anonym]: Lipanské červánky. Nr. 1. Ženeva [recte Wien – Inzersdorf (Wien)] [Johann Ehn und Franziska Faber] [1883], Flugblattzeitung; Tschechisch: Die Morgenröte von Lipany. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Prag vom 23. Dezember 1883 in Österreich verboten.
- 5
Vgl. [anonym]: Aufruf an die Proletarier Wiens! [Inzersdorf (Wien)]: [Johann Ehn] [1884], Flugblatt. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 20. Februar 1884 in Österreich verboten.
- 6
Vgl. [anonym]: An die Anarchisten Wiens! [Inzersdorf (Wien)]: [Johann Ehn] [1884], Flugblatt. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 15. März 1884 in Österreich verboten.
- 6
[Anonym]: 4099 Johann Ehn, [...] 4100 Faber Franziska, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 73 (6. November 1884), S. 289.
- 7
[Anonym]: 4099 Ehn Johann, [...] 4100 Faber Franziska, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 73 (6. November 1884), S. 289.