Thomas Schönauer (1850–1888)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: František Schönauer: Bauer; Heirat mit:
Mutter: Antonia Schönauer, geborene Šinko: Bäuerin
Ehe: ja
Kinder: eines
Biographie
Thomas Schönauer absolvierte eine Schlosserlehre und arbeitete als Schlossergehilfe in Wien, wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.
Am 9. August 1884 erschien mit Unterstützung der Wiener tschechoslawischen Radicalen die erste Nummer der mit »Juli« datierten Untergrundzeitung »Die Zukunft« [Wien und Neulerchenfeld (Wien)],1 gedacht als Fortsetzung der am 15. Februar 1884 erschienenen Zeitung »Die Zukunft« (Budapest). Für diese Druckschrift wurde die Druckerpresse der Radicalen durch den Buchbindergehilfen und Schriftsetzer Eduard Brady (1853–?) und den Schlossergehilfen Valentin Horatlík (1857–?) einer Rekonstruktion unterzogen, anschließend vom Holzdrechslergehilfen Augustin Habrmann alias Gustav Habrman (1864–1932) von Wien 3., Tongasse 5, in die Wohnung von Thomas Schönauer nach Wien 3., Erdbergstraße 31, gebracht, wo ein Teil der Zeitung »Die Zukunft« [Wien und Neulerchenfeld (Wien)] vom Schriftsetzer Ferdinand Hübner (1860–1897) gesetzt wurde. Schönauer soll auch das Papier für die Zeitung übernommen und zugeschnitten haben. Da Schönauer über die Unterbringung der Druckerei in seiner Wohnung beunruhigt war, wurden die Druckerei samt Utensilien vom Zimmermaler und Anstreicher Willibald Buchmann (1854–?) in seine Wohnung in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]), Kirchstetterngasse 53, gebracht, später in ein von Buchmann angemietetes Kellerlokal, Kirchstetterngasse 41.
Am 8. September 1884 wurde im Zusammenhang mit der am 3. September 1884 in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]) aufgedeckten illegalen Druckerei Thomas Schönauer in Stockerau (Niederösterreich) verhaftet und am 20. September 1884 in das Landesgericht Wien eingeliefert.
Vom 26. bis 29. November 1884 fand vor dem Ausnahmsgericht Wien der so genannte Anarchistenprozess im Zusammenhang der geheimen Druckerei in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]), Kirchstetterngasse 41, statt. Alle zwanzig Angeklagten, darunter Thomas Schönauer, wurden der Verbrechen des Hochverrats, der Majestätsbeleidigung, der Beleidigung von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses, der Religionsstörung sowie der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung angeklagt. Thomas Schönauer, der teilweise geständig war, gab die vorübergehende Unterbringung der Druckerei in seiner Wohnung zu, ebenso die Übergabe der vom Spenglergehilfen Johann Bleicher alias Miško (~1850–1887) erhaltenen Manuskripte an Ferdinand Hübner. Thomas Schönauer wurde im Sinne der Anklage zu vier Jahren schwerem Kerker, verschärft mit einem Fasttag im Monat, verurteilt.
Thomas Schönauer verstarb einen Monat vor seiner Freilassung am 25. Juni 1888 im Gefängnis Stein [zu Krems an der Donau] (Niederösterreich) an allgemeiner Wassersucht.
Kategorien
Adresse
- Schweinitz, Böhmen [Trhové Sviny, Tschechien], Schweinitz 210 (Geburtsadresse)
- Wien 3., Erdbergstraße 31 (belegt für 1884)
- Gefängnis Stein [zu Krems an der Donau], Niederösterreich, Stein 84 [Steiner Landstraße 4] (Sterbeadresse)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Februar 2025
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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- 1
Vgl. Die Zukunft. Organ der revolutionären Sozialisten Österreichs [Wien und Neulerchenfeld (Wien)], [1]. Jg., N. 1 (Juli 1884). Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 12. August 1884 in Österreich verboten.