Friedrich Weninger (1862–1914)

Persönliche Daten
Namensvarianten
das ist Friedrich August Axmann
mit 3. Juli 1865 legitimierter Friedrich August Weninger
Geburtsdatum
4. Oktober 1862
Geburtsort
Sterbedatum
22. Oktober 1914
Sterbeort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch
Berufe

Mutter: Katharina Axmann (Fischamend, Niederösterreich 23. März 1830 – ?), Tochter einer Dienstmagd und eines Mühljungen: Haushälterin; Heirat in Wien am 3. Juli 1865 mit:
Vater: Johann Carl Weninger (Wassermungenau [zu Abenberg], Bayern 30. Oktober 1823 – ?), Sohn einer Hausfrau und eines Inhabers einer Badestube: Inhaber einer Rasierstube
Ehe: am 27. September 1891 mit Maria Theresia Ferdinand (Wien 28. Juli 1871 – Wien 23. Oktober 1950), Tochter einer Hausfrau und eines Schuhmachers: Hilfsarbeiterin, dann Hausfrau
Sohn: Friedrich Karl August Weninger (Wien 14. April 1892 – Wien 21. Jänner 1970)
Tochter: Maria Catharina Weninger (Wien 3. Mai 1893 – Wien 25. Juli 1968)
Sohn: Emmerich Weninger (Wien 10. Juli 1909 – Wien Jänner 1992)
Kinder: weitere zwei

Biographie

Friedrich Weninger absolvierte eine Schriftsetzerlehre und arbeitete als Schriftsetzer in Wien, wo er dem Wiener »Arbeiter-Bildungsverein« beitrat und sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss. Er war bereits als Lehrling bei der 1874 gegründeten »Gesellschafts-Buchdruckerei Wien, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung« in Wien 3., Erdbergstraße 3., eingetreten, wo unter anderem der Schriftsetzer Ferdinand Hübner (1860–1897) arbeitete.

Um den 13. April 1884 herum flüchteten der Tischlergehilfe Johann Ehn (1852–1937) und seine Lebensgefährtin Franziska Faber in die USA. Es wurde daher notwendig, die Druckerpresse der Wiener Radicalen aus deren Wohnung am Wienerberg in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]) zu übersiedeln. Der Buchbindergehilfe und Schriftsetzer Eduard Brady (1853–?), Ferdinand Hübner und Friedrich Weninger brachten die Druckerpresse nun in die eigens dafür angemietete Wohnung in Wien 3., Tongasse 5. Von dort wurde sie bald darauf in die Wohnung des Zimmermalers und Anstreichers Willibald Buchmann (1854–?) nach Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]), Kirchstetterngasse 53, gebracht.

Am 13. August 1884 wurde das Flugblatt »Arbeiter! Brüder!«,1 gezeichnet »Das Executiv-Comité der revolutionären Socialisten, August 1884«, erstmals ausgestreut. Der Text stammte von Willibald Buchmann und vom Silberarbeiter Leopold Springer (1858–?), wurde von Friedrich Weninger korrigiert und von Willibald Buchmanns Ehefrau, der Hausfrau Anna Buchmann (~1858–?), ins Reine geschrieben. Gesetzt wurde es von Ferdinand Hübner, gedruckt von Willibald Buchmann und seiner Ehefrau Anna Buchmann sowie von Leopold Springer in einer Auflage von dreitausend Stück in Buchmanns Wohnung in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]), Kirchstetterngasse 53, und zwar in einer Auflage von etwa eintausendzweihundert Exemplaren.

Friedrich Weninger war auch an jener Kahnfahrt auf der Alten Donau beteiligt, bei der am 24. August 1884 von ihm, Johann Bleicher, Willibald Buchmann, Ferdinand Hübner, Anton Schrom und Leopold Springer beschlossen wurde eine zweite Nummer der Untergrundzeitung »Die Zukunft« [Neulerchenfeld (Wien)] im September 1884 erscheinen zu lassen, die aber nach Aufdeckung der geheimen Druckerei nicht mehr erscheinen konnte.  Am Beginn der Nummer sollte eine von Leopold Springer und von Friedrich Weninger zusammenzustellende Kompilation von Artikeln über den am 8. August 1884 gehenkten Schuhmachergesellen Hermann Stellmacher (1853–1884) stehen. Als dan Friedrich Weninger im September 1884 verhaftet wurde, wurde bei ihm auch ein Subskriptionsbogen für Eduard Brady gefunden.

Vom 26. bis 29. November 1884 fand vor dem Ausnahmsgericht Wien der so genannte Anarchistenprozess im Zusammenhang der geheimen Druckerei in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]), Kirchstetterngasse 41, statt. Alle zwanzig Angeklagten, darunter Friedrich Weninger, wurden der Verbrechen des Hochverrats, der Majestätsbeleidigung, der Beleidigung von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses, der Religionsstörung sowie der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung angeklagt. Friedrich Weninger, der sich schuldig bekannte, wurde als einer der Haupttäter im Sinne der Anklage zu fünf Jahren schwerem Kerker, verschärft mit einem Fasttag im Monat, verurteilt. Weninger musste dabei drei Jahre in Einzelhaft verbribgen und zog sich hier ein Nervenleiden zu, das in bis zu seinem Tod plagte.

Nach seiner Haftentlassung trat Friedrich Weninger der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei« bei, wurde Rechnungsführer beim »Verein der Buchdruckereihilfsarbeiter«, war Ausschussmitglied des »Vereins der Buchdruckerei- und Schriftgießerei-Hilfsarbeiter Niederösterreichs sowie deren verwandten Gewerbe«, war Schriftführer beim »Club der Zeitungssetzer Wiens« sowie Obmann dessen Sängerchors, war Mitglied des »Arbeitersängerbundes Wien« und Gründungsmitglied des »Gesanhsvereins ›Freie Typographia‹«. Er arbeitete wieder in Wien als Schriftsetzer, zuletzt als Korrektor bei der Zeitung »Neues Wiener Tagblatt« (Wien), und wurde am 11. Februar 1903 als Schriftführer in das Schiedgericht für die Wiener Zeitungsdruckereien gewählt.

  • Wien 7., St. Ulrich 125 (Geburtsadresse)
  • Wien 8., Tigergass 15 (belegt für 1891 bis 1893)
  • Wien 2., Schüttelstraße 55 (belegt für 1909 bis 1914; letzte Wohnadresse)
  • Wien 13., Kaiser-Jubiläumsspital der Stadt Wien [Klinik Hietzing], Wolkersbergenstraße 1 (Sterbeadresse)
Karte
  • 1

    Vgl. [Willibald Buchmann (1854–?) / Leopold Springer (1858–?)]: Arbeiter! Brüder! [Neulerchenfeld (Wien)]: [Anna Buchmann, Willibald Buchmann und Leopold Springer] August 1884, Flugblatt. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wird mi Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 30. August 1884 in Österreich verboten.