Anton Fuchs (1847–1899)

Persönliche Daten
Namensvarianten
tschechische Namensform: Antonín Fuchs
Geburtsdatum
29. Mai 1847
Sterbedatum
13. Februar 1899
Berufe

Vater: Josef Fuchs, unehelicher Sohn einer Dienstmagd: Hafnermeister; Heirat mit:
Mutter: Sophia Fuchs, geborene Standera, Tochter einer Hausfrau und eines Hafnermeisters: Hausfrau
erste Ehe: in Linz an der Donau (Oberösterreich) am 2. Juli 1871 mit Barbara Obermayr (Grieskirchen, Oberösterreich 18. März 1850 – Linz an der Donau, Oberösterreich 13. September 1885): Dienstmagd, Hausfrau; Radicale
Tochter: Anna Eva Fuchs (Linz an der Donau, Oberösterreich 29. Dezember 1872 – ?)
Sohn: Josef Leopold Fuchs (Linz an der Donau, Oberösterreich 9. November 1883 – ?)
Tochter: Maria Fuchs (Linz an der Donau, Oberösterreich 11. Dezember 1884 – ?)
zweite Ehe: in Zwittau (Mähren [Svitavy, Tschechien]) am 4. Juli 1887 mit Katharina Kurz (Glaselsdorf, Mähren [Sklené (okres Svitavy), Tschechien] 26. November 1848 – ?)

Biographie

Anton Fuchs kam nach Linz an der Donau (Oberösterreich), wo er als Hafnergehilfe Arbeit fand und 1871 Barbara Obermayr (1850–1885) heiratete. Rasch wurde er ein führender Agitator der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs«, schloss sich aber um 1881 der radicalen Arbeiterbewegung an.

Am 2. Februar 1884 traf der Maler- und Anstreichergehilfe Josef Peukert (1855–1910) aus Nürnberg (Bayern) kommend in Linz an der Donau ein, um sich sofort nach Ried im Innkreis (Oberösterreich) zu begeben. Hier wollte er den im nahen Gefängnis Suben (Oberösterreich) wegen Hochverrats einsitzenden Schuhmachergehilfen und Redakteur Johann Richter (1852–nach 1932) besuchen, erhielt aber keine Erlaubnis dafür. Am selben Abend nahm Josef Peukert an einem Fest des »Arbeiter-Bildungs-Vereins Ried« teil. Beim Fest traf ein Genosse aus Linz an der Donau ein, mit der Nachricht, dass über Wien der Ausnahmezustand verhängt und viele Genossen verhaftet worden seien. Nicht zuletzt auf Drängen der Linzer Genossen flüchtete Josef Peukert am frühen Morgen des 3. Februar 1884. Von Anton Fuchs, der erst am 30. Juli 1883 als Obmann des »Allgemeinen Arbeitervereins Linz« wiedergewählt worden war, bis zur Grenze begleitet, begab sich Josef Peukert zu Fuß über die bayerische Grenze und weiter in die Schweiz ins Exil.

Am 2. März 1884 organisierte der »Allgemeine Arbeitervereins Linz« einen den Behörden nicht angemeldeten Arbeiterausflug nach Ebelsberg [zu Linz an der Donau] (Oberösterreich), an dem rund fünfzig Arbeiterinnen und Arbeiter sowie deren Kinder teilnahmen. Dabei fanden die Behörden bei einem Teilnehmer die Zeitung »Der Radikale« (Reichenberg). Wegen dieses Ausflugs wurde Anton Fuchs als Obmann des Vereins vom Bezirksgericht Linz wegen Übertretung des Vereinsgesetzes zu einer Geldstrafe von 20 Gulden, eventuell vierTage Arrest, verurteilt. Allerdings gab das Landesgericht Linz am 29. April 1884 der Berufung von Fuchs statt und hob die Strafe auf.

Am 17. Dezember 1884 wurde Anton Fuchs unter dem Verdacht anarchistischer Umtriebe verhaftet. Zugleich wurden die polizeilichen Erhebungen auf die oberösterreichischen Orte Enns, Steyr und Wels ausgedehnt. Infolge dessen beschlossen in Abwesenheit ihres im Gefängins einsitzenden Obmanns Anton Fuchs die Mitglieder des »Allgemeinen Arbeitervereins Linz«, in welchem sich während der letzten Jahre verstärkt Radicale gesammelt hatten, seine »freiwillige« Selbstauflösung, um einer behördlichen zuvorzukommen und so das Vereinseigentum und die wertvolle Bibliothek (1.236 Bände) zu retten. 

Am 11. und 12. März 1885 fand vor dem Landes- als Schwurgericht Linz an der Donau unter Ausschluss der Öffentlichkeit der so genannte Anarchistenprozess Prozess gegen fünf Radicale statt. Anton Fuchs wurde des Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe angeklagt, der Kesselschmiedgehilfe Wenzel Blaschek (1858–?), Anton Fuchs' Ehefrau Barbara Fuchs, der aus dem Kurfürstentum Hessen [Hessen] gebürtige Schlossergeselle Friedrich Kraft (~1863–?) und der Maschinenschlosser Ferdinand Perlornigg (1854–1901) des Vergehens der öffentlichen Herabwürdigung der Ehe, Familie und des Eigentums. Vom Verbrechen freigesprochen, wurde Anton Fuchs wegen Vergehens der öffentlichen Herabwürdigung der Ehe, Familie und des Eigentums zu vier Monaten strengem Arrest, verschärft durch einen Fasttag alle vierzehn Tage, verurteilt und nach Verbüßung der Strafe aus Oberösterreich ausgewiesen. Ferdinand Perlornigg wurde wegen Übertretung, begangen durch das Halten einer Winkelpresse (Errichtung einer geheimen Druckerpresse), zu einer Geldstrafe von 25 Gulden zu Gunsten des Armenfonds in Urfahr (Oberösterreich [zu Linz an der Donau]), eventuell fünf Tage Arrest, verurteilt und kehrte anschließend nach Kärnten zurück. Wenzel Blaschek, Barbara Fuchs und Friedrich Kraft wurden freigesprochen.

Nach Verbüßung seiner Gefängnisstrafe am 18. Juli 1885 aus Linz an der Donau abgeschafft, fand Anton Fuchs in Rosenau am Sonntagsberg [zu Sonntagsberg] (Niederösterreich) Arbeit, musste aber seine Familie in Linz an der Donau zurücklassen. Als er seiner Ehefrau Barbara Fuchs die Nachricht zukommen ließ, dass er heimlich zu ihr auf Besuch nach Linz an der Donau kommen werde, traf Barbara Fuchs am 13. September 1885 vor Freude der Schlag und verstarb: Ihr jüngstes Kind war damals neun Monate alt.

Anton Fuchs begab sich nun nach Budapest (Ungarn). Hier setzte er sich nach Einstellung der Zeitung »Die Arbeit« (Graz) am 16. April 1886 mit Radicalen in der Steiermark und in Kärnten, später auch mit jenen in Oberösterreich, Salzburg und Tirol in Verbindung, um den Plan einer in Budapest erscheinenden Zeitung der zum Anarchismus tendierenden Radicalen zu erörtern. Die Umsetzung dieses Vorhabens verzögerte sich zunächst, weil der Schneidergehilfe Johann Risman (1864–1936) die in Aussicht gestellten Geldmittel nicht zur Verfügung stellen konnte, und wurde dann endgültig vereitelt, weil Anton Fuchs zusammen mit dem Eisenbahnarbeiter Johann Ondra (1856–?) am 24. August 1886 verhaftet und am 29. August 1886 aus sämtlichen Ländern der ungarischen Krone (also aus der ungarischen Reichshälfte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie) ausgewiesen wurde. Dadurch erlitt die bereits sehr geschwächte radicale Arbeiterbewegung in Ungarn einen weiteren Rückschlag.

Anton Fuchs wurde in seine Geburtsstadt Zwittau (Mähren [Svitavy, Tschechien]) abgeschoben, wo er wieder als Hafner arbeitete und 1887 neuerlich heiratete. Anton Fuchs verstarb hier am 13. Februar 1899 an einer Lungenentzündung.

  • Zwittau, Mähren [Svitavy, Tschechien], Zwittau 241 (Geburtsadresse)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Kaisergasse 18 (belegt für 1871)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Harrachstraße 29 (belegt für 1883)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Harrachstraße 33 (belegt für 1884)
  • Zwittau, Mähren [Svitavy, Tschechien], Stadt 191 (Sterbeadresse)
Karte