Josepha Maria Rouget (1839–)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Peter Kaider (Hausbrunn, Niederösterreich 18. Mai 1799 – ?), Sohn einer Halblehnerin und eines Halblehners: Schullehrer; Heirat in Wien am 5. Februar 1837 mit:
Mutter: Katharina Kaider, geborene Böhm (Witzelsdorf [zu Eckartsau], Niederösterreich 20. Jänner 1813 – ?), Tochter einer Hausfrau und eines Schuhmachermeisters: Hausfrau
erste Ehe: mit Emanuel Wenzel Kroupa (? – 13. Februar 1874)
zweite Ehe: in Schwechat (Niederösterreich) am 11. Februar 1877 mit Johann Rouget, d. i. Johannes Baptista Rougé (Altkettenhof [zu Schwechat], Niederösterreich 16. März 1847 – Wien 13. November 1893): Maschinenschlossergehilfe; Radicaler
Kinder: keine
Biographie
Josepha Maria Rouget heiratete in Schwechat (Niederösterreich) am 11. Februar 1877 den Maschinenschlossergehilfen Johann Rouget (1847–1893), der damals bereits in der sozialistischen Arbeiterbewegung aktiv war. Als sich ihr Eheman der radicalen Arbeiterbewegung anschloss, engagierte sich auch Josepha Maria Rouget in dieser.
Am 22. Oktober 1883 tauchte in Graz (Steiermark) erstmals das Flugblatt, »Arbeiter! Große Krankheiten […] [/] Dělníci! Vzbůru lide pracujici […]«1 auf. Es war das erste zweisprachige Flugblatt der Radicalen in Wien, wobei der tschechische Text keine Übersetzung des deutschen darstellte, sondern ein eigenständiger war. Gedruckt wurde dieses Flugblatt auf der Geheimpresse der Radicalen in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]). Dieses Flugblatt wurde vom Schriftsetzer Ferdinand Hübner (~1860–1897) in der Wohnung des Tischlergehilfen Johann Slezák (1851–1907) gesetzt und vom Tischlergehilfen Johann Ehn (1852–1937) sowie dessen Lebensgefährtin Franziska Faber in Inzersdorf gedruckt. Da die alte Druckpresse nicht mehr gut genug war, wurde sie nach diesem Flugblatt von Johann Slezák und Johann Rouget aus der Wohnung von Johann Ehn nach Altmannsdorf (Niederösterreich [zu Wien 12.]), Laxenburger Straße 67 [Altmannsdorfer Straße] gebracht.
Am 18. November 1883 wurde früh morgens im Keller des Hauses in Altmannsdorf (Niederösterreich [zu Wien 12.]), Laxenburger Straße 67 [Altmannsdorfer Straße], eine geheime Druckerpresse der Radicalen ausgehoben. Es begann mit einer fünfstündigen Hausdurchsuchung der Wohnung wie des Kellers von Johann Rouget. Dabei wurden Schlüssel für ein benachbartes Kellerabteil gefunden, welches dem Schmiedgehilfen Franz Maennl (1838–?) gehörte. Hier wurden, unter einem Haufen Kohlen, Schutt und Erdreich vergraben, die in ihre Bestandteile zerlegte Handdruckerpresse, Lettern und ein Setzkasten entdeckt. Franz Maennl, Johann Rouget und dessen Ehefrau Josepha Maria Rouget wurden sofort verhaftet. Franz Maennl und Josepha Maria Rouget wurden jedoch am 7. Dezember 1883 wieder auf freien Fuß gesetzt. Es war dies jene Handpresse, welche zunächst in Inzersdorf (Niederösterreich [zu Wien 10.]) von Johann Ehn und dessen Lebensgefährtin Franziska Faber betrieben worden war und auf der seit April 1883 die Untergrundzeitung »Erste Freie Presse Cisleithanien’s« [Inzersdorf (Wien)] sowie die Flugblätter »Manifest der social-revolutionären Arbeiterpartei Oesterreichs an das arbeitende Volk«,2 »Mahnruf an alle Arbeiter und Männer des Volkes«,3 das schon erwähnte zweisprachige Flugblatt »Arbeiter! Große Krankheiten […] [/] Dělníci! Vzbůru lide pracujici […]«, die tschechische Untergrundzeitung »Lipanské červánky« (Ženeva [recte Wien-Inzersdorf]) und wohl einige andere mehr gedruckt wurden. Teile dieser Handpresse hatten der am 5. November 1883 in die USA geflüchtete Johann Slezák in dem nunmehr durchsuchten Kellerabteil zur Verwahrung deponiert. Später wurde auch der Buchbindergehilfe und Schriftsetzer Eduard Brady (1853–?) als wichtiger Teilnehmer an dieser Druckerpresse ermittelt.
Die Aushebung der geheimen Druckerpresse der Radicalen erregte einiges Aufsehen, aber auch den Ärger der Radicalen. In der Nacht vom 20. auf den 21. November 1883 wurden in allen Stockwerken des Hauses Laxenburger Straße 67 an die Korridorfenster illegale Druckwerke sozialistischen Inhalts aufgeklebt. Und am 26. Dezember 1883 veröffentlichten die Radicalen die Flugschrift »Zur Richtschnur!«.4
Josepha Maria Rouget folgte ihrem Ehemann, der aufgrund der Ausnahmsverordnungen vom 30. Jänner 1884 am 9. April 1884 aus Wien für beständig abgeschafft wurde, konnte aber nach Aufhebung der Ausnahmsverodnungen mit ihm nach Wien zurückkehren.
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Adresse
- Zwölfaxing, Niederösterreich, Zwölfaxing 42 (Geburtsadresse)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Dezember 2024
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- 1
Vgl. [anonym]: Arbeiter! Große Krankheiten […][/] Dělníci! Vzbůru lide pracujici […]. [Inzersdorf (Wien)]: [Johann Ehn und Franziska Faber] [1883], Flugschrift. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Graz vom 2. November 1883 in Österreich verboten.
- 2
Vgl. [anonym]: Manifest der social-revolutionären Arbeiterpartei Oesterreichs an das arbeitende Volk. [Inzersdorf (Wien)]: [Johann Ehn und Franziska Faber] [1883], Flugschrift. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Kreis- als Pressgericht Pilsen vom 22. Mai 1883 in Österreich verboten.
- 3
Vgl. [anonym]: Mahnruf an alle Arbeiter und Männer des Volkes. [Inzersdorf (Wien)]: [Johann Ehn und Franziska Faber] [1883], Flugschrift. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 16. August 1883 in Österreich verboten.
- 4
Vgl. [anonym]: Neue freie Presse Cisleithaniens. Nr. 3. Zur Richtschnur! [Wien]: [ohne Druckerangabe] [1883], Flugblattzeitung. Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 28. Dezember 1883 in Österreich verboten.