Franz Kropfmüller (1845–1893)

Persönliche Daten
Geburtsdatum
27. Februar 1845
Sterbedatum
25. Juli 1893
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch

Mutter: Anna Kropfmüller, Tochter einer Häuslerin und eines Häuslers: Dienstmagd
Vater: unbekannt
Ehe: in Wien am 8. Oktober 1871 mit »Fany« Franziska Windisch (Wien 19. April 1848 – Linz an der Donau, Oberösterreich 19. April 1914): Hausfrau
Sohn: notgetaufter Knabe (Wien 4. März 1872 – Wien 5. März 1872): verstorben an Lebensschwäche
Tochter: Katharina Kropfmüller, seit 5. Februar 1893 verheiratete Zamazal (Wien 24. November 1873 – Linz an der Donau, Oberösterreich 23. Juli 1953): Fabrikarbeiterin

Biographie

Franz Kropfmüller, zuständig nach Atzesberg (Oberösterreich), kam nach Wien, wo er als Schmied bei der Eisenbahn arbeitete und sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss. Hier berief er für den 12. November 1882 eine allgemein zugängliche Versammlung der Schmiede im Gasthaus »zum grünen Baum« (Johann Mizera) in Simmering (Niederösterreich [zu Wien 11.]), Theresiengasse 5 [Kopalgasse], ein, die aber behördlich verboten wurde. Franz Kropfmüller wurde aufgrund der Ausnahmsverordnungen vom 30. Jänner 1884 am 9. Februar 1884 aus Wien ausgewiesen: »549 Kropfmüller Franz, Schmied, geb. 1845 Hohenschlag, zust. Atzesberg, Bez. Rohrbach, k., verh., mittelgr., stark, mit oval., blassem Ges., schwz. H., hoher Stirne, schwz. Augenbr., bl.-gr. Aug., schwz. Schnurrb., ovalem Kinn, deutsch sprechend.«1

Franz Kropfmüller fand in Urfahr [zu Linz an der Donau] (Oberösterreich) Arbeit in einer Maschinenfabrik. Er wurde bereits am 19. Jänner 1885 im Zuge der zweiten Verhaftungswelle unter oberösterreichischen Radicalen verhaftet und ins Landesgericht Linz in Untersuchungshaft eingeliefert, später aber ohne Anklageerhebung wieder freigelassen.

Franz Kropfmüller, der dem Exekutivkomtee der Radicalen angehörte, war eine der treibenden Kräfte der Linzer radicalen Arbeiterbewegung geworden. Am 27. September 1885 fand eine Konferenz oberösterreichischer Vertrauensmänner im Gasthaus »Auf der Haide« in Linz an der Donau statt, auf welcher die Organisation nach dem Fünfer-Gruppensystem gemäß der Konferenz deutschsprachiger radicaler Vertrauensmänner am 28. Juni 1885 nahe Leoben (Steiermark) erörtert wurde. Zugleich wurde als Leitung die Organisationsgruppe gegründet, welcher die Schuhmachergehilfen Franz Forst und Karl Hubmayer (1856–~1932), der Tischlergehilfe Johann Jandejšek (1843–?), Franz Kropfmüller, der Sattlergehilfe Anton Schenk (1842–1927), der Schneidergehilfe und Polizeispitzel Ludwig Philipp Schrödl (1851–1888) und der Schlosser Anton Winklař angehörten, fast alle zum Anarchismus tendierende Radicale. Diese gründeten Ende Oktober 1885 in Linz an der Donau eine anarchistische Aktionsgruppe. Initiator war der mittlerweile aus der Organisationsgruppe ausgetretene Franz Kropfmüller, dem sich Thomas Prileßnigg (1851–1932) und der Maschinenschlosser Franz Kutil (1842–?) anschlossen. Dieser geheime Club namens »Grün-Ober« (im Skat die dritthöchste Karte) traf sich im Gasthaus »zur Stadt Linz«, Hauptplatz 4. Schon im Jänner 1886 erfolgte eine neuerliche Änderung der Organisation. Am 24. Jänner 1886 fand in Linz an der Donau eine geheime Konferenz der Radicalen statt, auf der beschlossen wurde, die bisherige Organisationsform in Fünfer-Gruppen dahingehend zu ändern, dass diese Gruppen nur mehr lose miteinander verbunden sein sollten. Die Gesamtorganisation sollte durch zwei Vertrauensmänner geleitet werden: für die deutschsprachigen Radicalen Ludwig Philipp Schrödl und für die tschechoslawischen der Schneidergehilfe Franz Škopek (1861–1926). Noch im Jänner 1886 wurden in Linz an der Donau fünf Gruppen nach dem Fünfer-Gruppensystem mit zusammen sechsundzwanzig Personen gebildet, wobei Kropfmüller und Kutil der Gruppe Nummer 4 angehörten.

Aus Linz an der Donau abgeschaffft, begab sich Frant Kropfmüller im Juni 1886 nach Steyr (Oberösterreich). Von hier aus arbeitete er an der anarchistischen Zeitung »Arbeit« (Linz) mit, wichtiges Organ der Autonomisten innerhalb der radicalen Arbeiterbewegung in Österreich. Sie war – auch in der Nummernzählung – die Fortsetzung der Zeitung »Arbeit« (Villach). Allerdings wurden alle drei gedruckten Exemplare der »Arbeit« (Linz), welche am 6. Oktober 1887 erscheinen hätte sollen, noch vor der Auslieferung in der Druckerei beschlagnahmt und ist daher nicht erschienen. Die Zeitung »Arbeit« (Linz) wurde als »Arbeit« (Wien), erschienen vom 27. Oktober bis 22. Dezember 1887, gleichsam fortgesetzt.

Nachdem die Ausweisung im Nomber 1887 probeweise aufgehoben wurde, kehrte Franz Kropfmüller nach Linz an der Donau zurück, wo er am 23. Juli 1893 an chronischem Darmkatarrh verstarb.

  • Hohenschlag [zu Atzesberg], Oberösterreich, Hohenschlag 3 (Geburtsadresse)
  • Wien 4., Goldeggstraße 27 (belegt für 1871)
  • Wien 4., Matzleinsdorfer Straße 68 [Wiedner Hauptstraße] (belegt für 1872 bis 1873)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Kaiserstraße 14 (Sterbeadresse)
Karte
  • 1

    [Anonym]: 549 Kropfmüller Franz, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 12 (16. Februar 1884), S. 42.