Michael Kappauf (1843–1890)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
erste Ehe: mit Maria Gmoser (um 1842 – Graz, Steiermark 29. April 1874): Hausfrau
zweite Ehe: zivilrechtlich in Graz (Steiermark) am 25. Juni 1878 mit Juliane Triecher (um 1842 – Graz, Steiermark 29. April 1874): Hausfrau
Sohn: Hugo Kappauf (Graz, Steiermark 9. September 1879 – Grodek, Galizien und Lodomerien [Horodok ‹Городок›, Ukraine] 8. September 1914, im Krieg ermordet): Bürgerschullehrer und Chormeister; Deutschnationaler
Tochter: Theresia Kappauf (Graz, Steiermark 14. Oktober 1888 – Graz, Steiermark 19. März 1969)
Biographie
Michael Kappauf absolvierte eine Lehre zum Schlosser und schloss sich schon früh der sozialistischen Arbeiterbewegung an. Er übersiedelte vor 1860 von Wien nach Graz (Steiermark), wo er unter anderem die Zeichnungs-Anstalt des steiermärkischen Industrie- und Gewerbe-Vereins besuchte. 1870 war er Mitbegründer und Obmann des »Politischen Vereins ›Vorwärts‹« und Obmann-Stellvertreter des »Politischen Vereins ›Brüderlichkeit‹« in Graz. Seit 1870 war er ehrenamtlicher und seit 1871 hauptberuflicher Buchhalter der »Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Invaliden-Kasse« in Graz. Vor allem aber war er als sozialdemokratischer Agitator aktiv, nicht nur in Graz, sondern in der ganzen Steiermark. Am 6. Juni 1871 wurde Kappauf als Obmann des »Politischen Vereins ›Vorwärts‹« für achtundvierzig Stunden in Haft gesetzt, weil er sich bei der Vereinsauflösung weigerte, die rote Vereinsfahne herauszugeben. Am 14. Jänner 1873 fand vor dem Landes- als Strafgericht Graz der Prozess gegen Michael Kappauf wegen Vergehens der Aufwiegelung statt. Anlass war ein am 24. Dezember 1871 von Kappauf verfasster, auf der Arbeiterversammlung in Haslach [zu Altenberg bei Linz] (Oberösterreich) am 19. Mai 1872 verlesener Brief, in welchem er zur Gründung eines Fachvereins der Eisen- und Metallarbeiter aufrief. Er wurde im Sinne der Anklage zu einem Monat strengem Arrest, verschärft durch einen Fasttag alle vierzehn Tage, verurteilt. Nach der Gründung der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs« im April 1874 sollte auch in der Steiermark ein Landeskomitee gegründet werden, doch wurde die Versammlung am 2. Juli 1874 von der Polizei aufgelöst. In diesem Zusammenhang wurde Hippolyt Tauschinsky (1839–1905) verhaftet. Gegen ihn und einunddreißig Genossen, darunter Michael Kappauf, wurde Anklage wegen Religionsstörung und Teilnahme an einer geheimen sozialdemokratischen Verbindung erhoben. Im Hochverratsprozess, der vom 14. bis 24. Oktober 1874 vor dem Landesgericht Graz stattfand, wurde Michael Kappauf wegen Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung durch Teilnahme an geheimen Gesellschaften zu sechs Wochen strengem Arrest verurteilt. Im Zuge des Verfahrens wegen Majestätsbeleidigung gegen Emil Kaler-Reinthal (1850–1897) wurde bei Kappauf am 17. Jänner 1879 eine Hausdurchsuchung vorgenommen, die aber erfolglos verlief.
Michael Kappauf war auch Delegierter bei der ersten geheimen Delegiertenkonferenz der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs«, die am 12. September 1880 in einem Wald bei Mürzzuschlag (Steiermark) stattfand, und auf der vor allem die Organisation der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs« in geheimen Clubs und die Verlegung der Parteileitung von Reichenberg (Böhmen [Liberec, Tschechien]) nach Graz diskutiert wurde, ohne endgültige Beschlüsse zu fassen. Schließlich wurde mit 1. Jänner 1881 die Zentralleitung der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs« von Reichenberg nach Graz verlegt und Kappauf, nunmehr Anhänger der radicalen Arbeiterbewegung, wurde Mitglied der neuen Parteileitung.
Am 5. Februar 1884 traf die Verfolgung der radicalen Arbeiterbewegung die Steiermark hart. Aufgrund der Denunziation des vom Landes- als Schwurgericht Graz am 30. Jänner 1884 wegen Hochverrats zu acht Jahren schwerem Kerker verurteilten Schuhmachergehilfen Franz Pronegg (1833–1886) wurden am 5. Februar 1884 in Graz zweiundzwanzig Radicale verhaftet, darunter auch Michael Kappauf. Damals wurde auch der Eisendreher Gustav Kappauf (1856–?) verhaftet, der bisweilen fälschlich als Bruder von Michael Kappauf bezeichnet wird. Vom 11. bis 25. Juni 1884 fand vor dem Landes- als Schwurgericht Graz der Prozess gegen die zweiundzwanzig Radicalen wegen Verbrechens des Hochverrats statt, darunter Michael Kappauf. Sie wurden angeklagt, mittels Sammlung von Geldern zur Anschaffung von Waffen, Munition, Sprengmitteln und revolutionären Druckschriften, durch Anwerbung weiterer Mitglieder, persönlichen Unterricht und tatsächliche Verbreitung solcher Druckschriften, welche die Vorbereitung einer gewaltsamen Erhebung der Arbeiter bezwecken, Handlungen unternommen zu haben, welche auf eine gewaltsame Veränderung der Regierungsform und auf die Herbeiführung einer Empörung oder eines Bürgerkriegs gerichtet wären. Kernstück der Anklage war der angebliche Beschluss, Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) bei seiner Reise nach Graz im April 1883 mit Dynamit in die Luft zu sprengen. Von der Anklage des Hochverrats und des versuchten Attentats auf den Kaiser wurden alle Angeklagten, allerdings wurde Michael Kappauf wegen Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe zu dreieinhalb Jahren schwerem, durch Fasttage verschärften Kerker verurteilt. Seine Nichtigkeitsbeschwerde wurde vom Obersten Gerichts- als Kassationshof in Wien am 18. März 1885 verworfen.
Michael Kappauf wandte sich nach seiner Freilassung der gemäßigten Arbeiterbewegung zu und wurde schließlich Mitglied der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei«. Er verstarb am 27. Februar 1890 an Lungentuberkulose, die er sich während seiner Haftzeit geholt hatte.
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2025
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