Josef Klinger (1856–)

Persönliche Daten
Geburtsdatum
1856
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch
Berufe
Biographie

Josef Klinger, zuständig nach Aussig (Bömen [Ústí nad Labem, Tschechien]) arbeitete als Seilergehilfe in Aussig, wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.

Josef Klinger übersiedelte nach Rorschach (Kanton St. Gallen, Schweiz), wo er wieder als Seilergehilfe arbeitete. Hier unterhielt er enge Kontakte zu dem am 22. April 1883 aus sämtlichen im Reichsrat vertretenen Königreichen und Ländern (also aus der österreichischen Reichshälfte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie) ausgewiesenen Tischlergehilfen und späteren Attentäter Michael Kumić (1853–?) und zu dem erst am 7. Jänner 1884 aus dem Gefängnis entlassenen und nach Verhängung der Ausnahmsverordnungen vom 30. Jänner 1884 aus Wien in die Schweiz ins Exil gegangenen Mechaniker Leo Walecka (1856–1914), beide in St. Gallen / Saint-Gall / San Gallo (Kanton St. Gallen) wohnhaft. Im August 1884 nahm Josef Klinger an dem geheimen Kongress der in der Ostschweiz lebenden Sozialrevolutionäre teil, bei welchem aus Österreich auch noch der Maschinenschlosser Johann Dorst (1854–?), der Schneidergehilfe Ignaz Formanek (1854–?), der Schuhmachergehilfe Károly Halbedl (1847–1914) und der Mechaniker Josef Kaufmann (1841–?) – übrigens ein umgedrehter ehemaliger Polizeispitzel – anwesend waren, und der sich mit dem Schmuggel sozialrevolutionärer Schriften nach Österreich befasste. Am 7. Februar 1885 wurde Josef Klinger in Rorschach verhaftet und auf Ersuchen der österreichischen Behörden und nach Intervention der österreichischen diplomatischen Vertretungen am 26. Februar 1885 zusammen mit anderen Sozialrevolutionären und Anarchisten auf Beschluss des Schweizerischen Bundesrats aus der Schweiz ausgewiesen.

Bereits am 7. März 1885 erließ das Kreisgericht Wiener Neustadt (Niederösterreich) einen Steckbrief gegen Josef Klinger, vor allem als wichtige Person beim Schmuggel der Zeitung »Freiheit« (New York) aus der Schweiz nach Österreich: »866 Klinger Josef, Seilergeh., im J. 1856 zu Biala geb. und nach Ausfig (Stadt) in Böhmen zust., l., zulezt in Rohrschach, Canton St. Gallen in der Schweiz ansässig gewesen u. aus der Schweiz ausgewiesen, muthmaßl. auf der Reise durch Frankreich begriffen*), ist als des Verbr. des Hochverrathes, begangen durch Einschmuggelung von 1400 Nummern der Most'schen ›Freiheit‹ aus 1884, mit der Bestimmung, an h. o. im Aufenthalte befindliche Personen zu gelangen, dring. verd. u. anher einzuliefern. Er ist klein, hat längl. Ges., gr. Augen, br. H., etwas verschobene, unregelmäßige Zähne, u. ist die letzte Reisebewilligung in seinem Arbeitsbuche von der k. k. Bzhpt. in Aussig, ddo. 2. April 1882, Z. 123/4210, auf 3 J. für Oesterreich-Ungarn, ganz Deutschland u. die Schweiz lautend, ausgefertigt. K.-G. Wr.-Neustadt 7/3. 85. [/] *) Dürfte sich derzeit in Genf aufhalten. (P.-D. Wien).«1

Die Behörden vermuteten, dass Josef Klinger über Frankreich nach Deutschland reisen wolle, doch wurde er im November 1885 verhaftet und ins Kreisgericht Wiener Neustadt eingeliefert. Vom 5. bis 12. Februar 1886 fand vor dem Ausnahmsgericht Wiener Neustadt in geheimer Verhandlung der Prozess gegen Josef Klinger wegen der Verbrechen des Hochverrats und der Störung der öffentlichen Ruhe statt. Josef Klinger wird zu sechs Jahren schwerem Kerker verurteilt. Das Strafmaß dieses Urteils wurde am 15. März 1886 durch das Oberlandesgericht Wien mit Rücksicht auf Klingers angeblich große Gefährlichkeit auf zwölf Jahre schwerem Kerker erhöht.

Karte
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    [Anonym]: 866 Klinger Josef, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 15 (15. März 1885), S. 57.