Johann Dorst (1854–)

Persönliche Daten
Namensvarianten
das ist Johann Nepomuk Durst
falsche Namensform: Johannes Dorst
Geburtsdatum
8. April 1854
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch

Vater: Joseph Durst (Leopoldau, Niederösterreich [zu Wien 21.] 3. Mai 1819 – ?), Sohn einer Hausfrau und eines Schiffmanns beim k. k. Wasserbauamt: Schiffmann; Heiratin Orth [Orth an der Donau] (Niederösterreich) am 9. Februar 1847 mit:
Mutter: Anna Durst, geborene Berger (Eßlingen, Großherzogtum Luxemburg innerhalb des Deutschen Bundes [Rheinland-Pfalz] 29. April 1825 – ?), Tochter einer Hausfrau und eines Schuhmachers: Hausfrau
Schwester: Anna Durst (Jedlesee, Niederösterreich [zu Wien 21.] 17. Mai 1862 – ?), seit 31. Oktober 1886 verheiratet mit Johann Kammerer (Stiebnig, Österreichisch-Schlesien [Jistebník, Tschechien] 31. August 1859 – Floridsdorf, Niederösterreich [zu Wien 21.] 18. April 1893): Taglöhner, Fabrikarbeiter, Bruder von  Anton Kammerer (Stiebnig, Österreichisch-Schlesien [Jistebník, Tschechien] 5. April 1862 – Wien 20. September 1884, hingerichtet): Buchbinder, Eisenbahnarbeiter; Radicaler, Sozialrevolutionär, Attentäter

Biographie

Johann Dorst absolvierte eine Schlosserlehre und arbeitete als Schlossergehilfe in Wien, wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss. Am 6. September 1883 versammelten sich trotz des Verbots der von den Radicalen einberufenen Volksversammlung unter freiem Himmel rund zweitausend Arbeiterinnen und Arbeiter in Fünfhaus (Niederösterreich [zu Wien 15.]) und Rudolfsheim (Niederösterreich [zu Wien 15.]) zu einer mächtigen Demonstration, die von Sicherheitswache und Militär brutal aufgelöst wurde. Daraufhin wurde der von Johann Dorst für den 8. und 9. Sebtember 1883 beziehungsweise für den 16. September 1883 einberufene Arbeiterausflug vom »Beránek’schen Gasthaus« (Julie Beránek und Roman Beránek) in Floridsdorf (Niederösterreich [zu Wien 21.]), Hauptstraße 58 [Floridsdorfer Hauptstraße], auf den Bisamberg (Niederösterreich und Wien 21.) von der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg (Niederösterreich) verboten. Noch am 7. September 1883 begab sich das aus zwanzig Mitgliedern bestehende Vergnügungskomitee unter Leitung von Johann Dorst zur Bezirkshauptmannschaft, wo allerdings das Verbot bekräftigt wurde. Schließlich wandte man sich an die Niederösterreichische Statthalterei, die den Ausflug genehmigte, der dann auch ohne Zwischenfälle durchgeführt wurde.

Johann Dorst ging in die Schweiz ins Exil, wo er als Maschinenschlosser in Niederuzwil [zu Uzwil] (Kanton St. Gallen, Schweiz) niederließ. Im August 1884 nahm er an dem geheimen Kongress der in der Ostschweiz lebenden Sozialrevolutionäre teil, bei welchem aus Österreich auch der Schneidergehilfe Ignaz Formanek (1854–?), der Schuhmachergehilfe Károly Halbedl (1847–1914), der Mechaniker Josef Kaufmann (1841–?) – übrigens ein umgedrehter ehemaliger Polizeispitzel – und der Seilergehilfe Josef Klinger (1856–?) anwesend waren, und der sich mit dem Schmuggel sozialrevolutionärer Schriften nach Österreich befasste. 

Um sich der polizeilichen Überwachung zu entziehen, zog Johann Dorst nach Winterthur / Winterthour (Kanton Winterthur, Scvhweiz), wo er am 27. Februar 1885 verhaftet wurde. Auf Ersuchen der österreichischen Behörden und nach Intervention der österreichischen diplomatischen Vertretungen wurde Johann Dorst am 26. Februar 1885 zusammen mit mehreren Sozialrevolutionären und Anarchisten auf Beschluss des Schweizerischen Bundesrats aus der Schweiz ausgewiesen.

Die Schwester von Johann Dorst, Anna Durst (1825–?), heiratete am 31. Oktober 1886 den Taglöhner und Fabrikarbeiter Johann Kammerer (1859–1893), wodurch er Schwager des Buchbinders, Radicalen und hingerichteten Attentäters Anton Kammerer (1862–1884) wurde.

  • Jedlesee, Niederösterreich [zu Wien 21.], Jedlesee 74 (Geburtsadresse)
Karte