Johann Siegl (1859–1923)

Persönliche Daten
Namensvarianten
das ist Johannes (Evangelist) Siegl
Geburtsdatum
2. November 1859
Sterbedatum
25. Januar 1923
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch

Mutter: Theresia Siegl: Inwohnerstochter
Vater: unbekannt
Ehe: in Linz an der Donau (Oberösterreich) am 20. April 1890 mit Anna Schmid (Zell [Bad Zell], Oberösterreich 23. November 1866 – Linz an der Donau, Oberösterreich 5. Juni 1915), Tochter einer Hausfrau und eines Tischlers: Arbeiterin

Biographie

Johann Siegl absolvierte eine Schugmacherlehre und arbeitete als Schuhmachergehilfe in Wien, wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss. Er Wurde Mitglied des »Fachvereins der Schuhmacher«, wo er am 21. Jänner 1883 zum Schriftführer gewählt wurde.

Johann Siegl wurde aufgrund der Ausnahmsverordnungen vom 30. Jänner 1884 am 18. Oktober 1885 aus Wien ausgewiesen und unter polizeiliche Überwachung gestellt: »3933 Siegl Johann, Schuhmachergeh., zu Lichtenegg, Bez. Wels in O.-Oest. im J. 1859 geb., dahin zust., k., I., klein, mit undem [!], blatternarbigem Ges., br. H. u. Augenbr., gr. Aug., nied. Stirne, starker, fleischiger Nase, Bartanflug, oval. Kinn (mit Erk. v. 18/10. 85). [...] P.-D. Wien 2/11. 85.«1Johann Siegl wollte sich angeblich in der Schweiz niederlassen, um von dort den Schmuggel revolutionärer Schriften aus London (England) nach Österreich zu organisieren. Er wurde jedoch am 5. November 1885 am Wiener Westbahnhof unmittelbar vor seine Abreise festgenommen und aus Wien abgeschafft.

Johann Siegl begab sich nach Linz an der Donau (Oberösterreich), wo er als Schuhmachergehilfe wieder Arbeit fand. Hier schloss er sich der im Juli 1886 vom Schuhmachergehilfen Johann Hospodský (1863–?) gründeten Gruppe an, welche sozialrevolutionär ausgerichtet war. Linzer Gruppe um Johann Hospodský und Franz Škopek Anhänger zu gewinnen. Bereits seit August 1886 plante diese sozialrevolutionäre Gruppe der Linzer Radicalen, mittels eines Überfalls Dynamit für die Propaganda der Tat zu besorgen. Ziel des geplanten Anschlags war der so genannte Fünfzehnerturm im nahen Unterpuchenau [zu Puchenau] (Oberösterreich). In diesem alten Wehrturm lagerte das Militär Sprengstoff. In der Nacht vom 21. auf den 22. September 1886 schlichen sich einige Radicale an den Fünfzehnerturm an, stießen dabei jedoch auf eine Wache und ergriffen nach einem Anruf die Flucht. Der in die Aktion eingeweihte Polizeispitzel, der Schneidergehilfe Ludwig Philipp Schrödl (1851–1888), hatte die Behörden bereits zuvor informiert.

Johann Siegl, der 1889 Mitglied der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei« wurde, arbeitete weiterhin in Linz an der Donau als Schuhmachergehilfe, später als Schuhmachermeister. Am 27. Jänner 1891 wurde er als Nachfolger des Schuhmachergehilfen Karl Hubmayer (1856–~1932) zum Obmann des »Arbeiter-Sängerbundes Linz« gewählt, eine Gunktion, die er mindestens bis 1907 innehatte. Und anlässlich der Gründung der »Ersten Arbeiter-Produktiv-Genossenschaft der Schuhmacher in Linz« im März 1898 wurde Siegl Direktor-Stellvertreter, doch wurde diese bereits im September 1900 im Handelsregister gelöscht. Bei den Linzer Gemeinderatswahlen vom April 1905 kandidierte Johann Siegl erfolgreich für die »Sozialdemokratische Arbeiterpartei« und gehörte dem Gemeinderat bis Mai 1913 an. Bei seiner Kandidatur für die Reichsratswahlen 1907 hatte er allerdings keinen Erfolg. 1919 wurde er in den provisorischen Gemeinderat Linz, dann in den Gemeinderat Linz gewählt, dem er bis 8. November 1921 angehörte. Nach einem Schlaganfall im April 1921 schwer erkrankt, zog sich Johann Siegl von allen Aktivitäten zurück und verstarb am 25. Jänner 1923 am Schlagfluss in Linz an der Donau.

  • Lichtenegg [zu Wels], Oberösterreich, Lichtenegg 14 (Geburtsadresse)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Schweizerhausgasse 15 (belegt für 1890)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Promenade 27 (belegt für 1907)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Kroatengasse 28 (belegt für 1915)
  • Linz an der Donau, Oberösterreich, Körnerstraße 28 (Sterbeadresse)
Karte
  • 1

    [Anonym]: 3933 Siegl Johann, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 64 (5. November 1885), S. 252–253.