Johann Matzke sen. (1832–1901)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Ehe: mit Karolina Matzke, geborene Draber: Bäuerin
Sohn: Johann Matzke jun. (Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien] 18. März 1857 – Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien] 8. April 1929): Grundbesitzer und Wirtschafter; Radicaler
Biographie
Johann Matzke sen., Vater von Johann Matzke jun. (1857–1929), war Grundbesitzer in Sperbersdorf (Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien]), wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.
In der Nacht auf den 10. November 1884 wurden dem Schieferbruchbesitzer Josef Brückner in Klein-Stohl (Mähren [Malá Štáhle, Tschechien]), 15 Kilo Dynamit gestohlen, gemäß behördlichen, aber dann gerichtlich nicht bestätigten Erhebungen von Johann Matzke sen. (1832–1901) und seinem Sohn Johann Matzke jun. (1857–1929), beide Grundbesitzer in Sperbersdorf (Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien]). Kurz danach, am 16. November 1884, um 10 Uhr vormittags, wurde ein Dynamitattentat auf jenes Gebäude in Sternberg (Mähren [Šternberk, Tschechien]) verübt, in welchem sich die Bezirkshauptmannschaft, das Bezirksgericht und das Steueramt befanden, wodurch erheblicher Sachschaden entstand. Johann Matzke sen. und jun. sollen noch vorhandenes Dynamit am 7. Dezember 1884 in einem Gasthaus in Sperbersdorf den Webergehilfen Franz Karger (~1852–?) und Florian Pawlik (1863–?) übergeben haben, wobei Letztgenannter das Dynamit nach Sternberg transportierte. Die Polizei hatte allerdings mittlerweile erfahren, dass dieses gestohlene Dynamit durch den allerdings bereits am 6. Dezember 1884 in Wien am Nordbahnhof verhafteten Tischlergehilfen Rudolf Warbinek (1863–?) nach Wien geschmuggelt werden sollte. Das dafür vorgesehene, von Florian Pawlik nach Sternberg gebrachte Dynamit wurde, da Warbinbek nicht wie vereinbart erschien, in einer Kiste beim Ehepaar Franz und Marie Karger (~1851–?) deponiert. Am 7. Dezember 1884 nahm die Gendarmerie bei dem Ehepaar eine Hausdurchsuchung vor, beschlagnahmte fünfundfünfzig große und dreißig kleine Dynamitpatronen, verhaftete Franz und Marie Karger und lieferte diese ins Kreisgericht Olmütz (Mähren [Olomouc, Tschechien]) ein.
Vom 26. Mai bis 5. Juni 1885 fand vor dem Kreis- als Erkenntnisgericht Olmütz der Prozess gegen neun Radicale statt, bei dem es vor allem um das Dynamitattentat in Sternberg ging. Johann Matzke sen. wurde der Verbrechen des Diebstahls, der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung sowie der Verleitung zur öffentlichen Gewalttätigkeit angeklagt. Er sei seit 1884 Mitglied einer geheimen Organisation gewesen, habe dem Schieferbruchbesitzer Josef Brückner Dynamit gestohlen und habe fünfundfünfzig große und dreißig kleine Dynamitpatronen anderen Personen weitergegeben. Johann Matzke sen. wurde, wie auch sein Sohn Johann Matzke jun., freigesprochen.
Johann Matzke sen., der sich mittlerweile der Sozialdemokratie angeschlossen hatte, verunglückte mit seinem Pferdegespann am 27. Juli 1901 auf dem Weg von Deutsch Lodenitz (Mähren [Horní Loděnice, Tschechien]) nach Hause nahe Sperbersdorf tödlich, weil die Pferde scheuten, der Wagen in den Graben der Reichsstraße stürzte, Matzke vom Gefährt geschleudert wurde und sich das Genick brach.
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Adresse
- Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien], Sperbersdorf 6 (belegt für 1857)
Karte
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2025
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