Franz Karger (1852–)

Persönliche Daten
Namensvarianten
tschechische Namensform: František Karger
Geburtsdatum
Ungefähr 1852
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch
Berufe

Ehe: mit Marie [?] (Bautsch, Mähren [Budišov nad Budišovkou, Tschechien] um 1851 – ?): Hausfrau; Radicale

Biographie

Franz Karger, Ehemann von Marie Karger (~1851–?), kam als Webergehilfe nach Sternberg (Mähren [Šternberk, Tschechien]), wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.

In der Nacht auf den 10. November 1884 wurden dem Schieferbruchbesitzer Josef Brückner in Klein-Stohl (Mähren [Malá Štáhle, Tschechien]), 15 Kilo Dynamit gestohlen, gemäß behördlichen, aber dann gerichtlich nicht bestätigten Erhebungen von Johann Matzke sen. (1832–1901) und seinem Sohn Johann Matzke jun. (1857–1929), beide Grundbesitzer in Sperbersdorf (Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien]). Kurz danach, am 16. November 1884, um 10 Uhr vormittags, wurde ein Dynamitattentat auf jenes Gebäude in Sternberg (Mähren [Šternberk, Tschechien]) verübt, in welchem sich die Bezirkshauptmannschaft, das Bezirksgericht und das Steueramt befanden, wodurch erheblicher Sachschaden entstand. Johann Matzke sen. und jun. sollen noch vorhandenes Dynamit am 7. Dezember 1884 in einem Gasthaus in Sperbersdorf Franz Karger und dem Webergehilfen Florian Pawlik (1863–?) übergeben haben, wobei Letztgenannter das Dynamit nach Sternberg transportierte. Die Polizei hatte allerdings mittlerweile erfahren, dass dieses gestohlene Dynamit durch den allerdings bereits am 6. Dezember 1884 in Wien am Nordbahnhof verhafteten Tischlergehilfen Rudolf Warbinek (1863–?) nach Wien geschmuggelt werden sollte. Das dafür vorgesehene, von Florian Pawlik nach Sternberg gebrachte Dynamit wurde, da Warbinbek nicht wie vereinbart erschien, in einer Kiste beim Ehepaar Franz und Marie Karger deponiert. Am 7. Dezember 1884 nahm die Gendarmerie bei dem Ehepaar eine Hausdurchsuchung vor, beschlagnahmte fünfundfünfzig große und dreißig kleine Dynamitpatronen, verhaftete Franz und Maria Karger und lieferte diese ins Kreisgericht Olmütz (Mähren [Olomouc, Tschechien]) ein.

Vom 26. Mai bis 5. Juni 1885 fand vor dem Kreis- als Erkenntnisgericht Olmütz der Prozess gegen neun Radicale statt, bei dem es vor allem um das Dynamitattentat in Sternberg ging. Franz Karger wurde bezichtigt, seit 1884 Mitglied einer geheimen Organisation zu sein und Dynamit zwecks Überlassung an andere Personen übernommen zu haben. Er wurde wegen Verbrechens der Verleitung zur öffentlichen Gewalttätigkeit und Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung zu acht Monaten schwerem Kerker verurteilt, seine Ehefrau Marie Karger jedoch freigesprochen. Die vom Staatsanwalt eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde bezüglich des Urteils gegen Franz Karger wurde am 6. Jänner 1886 vom Obersten Gerichts- als Kassationsgericht zurückgewiesen.

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