Johann Matzke jun. (1857–1929)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Johann Matzke sen. (Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien] 1832 – Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien] 27. Juli 1901): Grundbesitzer; Radicaler
Mutter: Karolina Matzke, geborene Draber: Bäuerin
Ehe: in Sperbersdorf (Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien]) mit Maria Matzke, geborene Matzke: Bäuerin
Sohn: Johann Josef Matzke (Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien] 2. August 1885 – ?)
Tochter: Marie Matzke, verheiratete Matzke (Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien] 12. September 1886 – ?)
Biographie
Johann Matzke jun., Sohn von Johann Matzke sen. (1832–1901), war Grundbesitzer und Wirtschafter in Sperbersdorf (Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien]), wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.
In der Nacht auf den 10. November 1884 wurden dem Schieferbruchbesitzer Josef Brückner in Klein-Stohl (Mähren [Malá Štáhle, Tschechien]), 15 Kilo Dynamit gestohlen, gemäß behördlichen, aber dann gerichtlich nicht bestätigten Erhebungen von Johann Matzke jun. und seinem Vater Johann Matzke sen., beide Grundbesitzer in Sperbersdorf (Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien]). Kurz danach, am 16. November 1884, um 10 Uhr vormittags, wurde ein Dynamitattentat auf jenes Gebäude in Sternberg (Mähren [Šternberk, Tschechien]) verübt, in welchem sich die Bezirkshauptmannschaft, das Bezirksgericht und das Steueramt befanden, wodurch erheblicher Sachschaden entstand. Johann Matzke sen. und jun. sollen noch vorhandenes Dynamit am 7. Dezember 1884 in einem Gasthaus in Sperbersdorf den Webergehilfen Franz Karger (~1852–?) und Florian Pawlik (1863–?) übergeben haben, wobei Letztgenannter das Dynamit nach Sternberg transportierte. Die Polizei hatte allerdings mittlerweile erfahren, dass dieses gestohlene Dynamit durch den allerdings bereits am 6. Dezember 1884 in Wien am Nordbahnhof verhafteten Tischlergehilfen Rudolf Warbinek (1863–?) nach Wien geschmuggelt werden sollte. Das dafür vorgesehene, von Florian Pawlik nach Sternberg gebrachte Dynamit wurde, da Warbinbek nicht wie vereinbart erschien, in einer Kiste beim Ehepaar Franz und Marie Karger (~1851–?) deponiert. Am 7. Dezember 1884 nahm die Gendarmerie bei dem Ehepaar eine Hausdurchsuchung vor, beschlagnahmte fünfundfünfzig große und dreißig kleine Dynamitpatronen, verhaftete Franz und Marie Karger und lieferte diese ins Kreisgericht Olmütz (Mähren [Olomouc, Tschechien]) ein.
Vom 26. Mai bis 5. Juni 1885 fand vor dem Kreis- als Erkenntnisgericht Olmütz der Prozess gegen neun Radicale statt, bei dem es vor allem um das Dynamitattentat in Sternberg ging. Johann Matzke jun. wurde der Verbrechen des Diebstahls, der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung sowie der Verleitung zur öffentlichen Gewalttätigkeit angeklagt. Er sei seit 1884 Mitglied einer geheimen Organisation gewesen, habe dem Schieferbruchbesitzer Josef Brückner Dynamit gestohlen und habe fünfundfünfzig große und dreißig kleine Dynamitpatronen aus dem Besitz seines Vaters anderen Personen weitergegeben. Johann Matzke jun. wurde, wie auch sein Vater Johann Matzke sen., freigesprochen.
Kategorien
Adresse
- Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien], Sperbersdorf 6 (Geburtsadresse)
- Sperbersdorf, Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien], Sperbersdorf 20 (belegt für 1885)
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2025
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