Anna Traxler (1867–1888)

Persönliche Daten
Namensvarianten
falsche Namensschreibweise: Anna Draxler
Geburtsdatum
Ungefähr 1867
Sterbedatum
20. Juni 1888
Biographie

Anna Traxler arbeitete als Handarbeiterin in Wien, wo sie sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.

Am Ostermontag dem 6. April 1885 zogen etwa eintausendachthundert bis zweitausend Arbeiter von Breitensee (Niederösterreich [zu Wien 14.]) über den Steinbruch am Gallitzinberg in Ottakring (Niederösterreich [zu Wien 16.]) zur Sophienwarte [heute Jubiläumswarte] und zur Kreuzeichenwiese in Ottakring. Am Nachmittag versammelten sich etwa dreihundert Arbeiter auf der Ramschwiese in Hütteldorf (Niederösterreich [zu Wien 14.]). Nachdem sie von Gendarmerie aufgefordert wurden, sich zu zerstreuen, begaben sich auch diese Arbeiter Richtung Gallitzinberg. Eine kleine Gruppe von etwa dreißig Arbeitern aus Meidling (Niederösterreich [zu Wien 12.]) verblieb jedoch auf der Ramschwiese. Der Pfeifenschneidergehilfe Thomas Zoppoth (1866–1906) breitete eine rote Fahne aus und forderte die Teilnehmer auf, auf diese einen Eid zu leisten, was auch geschah. Währenddessen feuerte der Goldarbeitergehilfe Rupert Kautzky (~1867–?), Bruder des Buchbindergehilfen Leopold Kautzky (1862–?), mehrere Revolverschüsse ab. Es ertönten die Rufe »Hoch die Anarchie!«, »Nieder mit den Tyrannen!«, und man sang auf dem Nachhauseweg das Lied aus der 1848er-Revolution »Der Staat ist in Gefahr«. Am Abend zerstreuten sich die Ausflugteilnehmer auf dem Gallitzinberg ohne größere Zwischenfälle. Allerdings wurden später mehrere Mitglieder der Gruppe von der Ramschwiese polizeilich ausgeforscht. Diese Ausflüge waren eine der wenigen öffentlichen Manifestationen der Wiener Radicalen in diesem Jahr.

Wegen des Vorfalls auf der Ramschwiese zwischen Gallitzinberg und Hütteldorf fand am 8. Juni 1885 vor dem Landes- als Erkenntnisgericht Wien der Prozess gegen sieben Radicale statt, angeklagt wegen Verbrechens der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung der Goldarbeitergehilfe Rupert Kautzky und der Schuhmachervorarbeiter Johann Thiel (~1853–?), wegen Vergehens der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung der Geschäftsdiener Johann Bartsch (1858–?), Leopold Kautzky, die Handarbeiterin Bertha Müller (~1848–?), die bei ihr wohnende Handarbeiterin Anna Traxler und Thomas Zoppoth. Johann Thiel wurde als Organisator der Demonstration beschuldigt, Rupert Kautzky als Initiator der verräterischen Parolen, welche von den anderen nachgeschrien worden waren und Anna Traxler der Mitnahme der roten Fahne nach Hause. Bei der Verhandlung wurde auch ein Geheimbund angesprochen, weil die Angeklagten dem geheimen Verein »Die Sackumdreher« angeblich angehörten. Johann Bartsch, Bertha Müller und Thomas Zoppoth gaben die Existenz des Vereins, in dem man sich nicht mit Namen, sondern mit Nummern ansprach, zu, stellten ihn aber als Juxverein dar. Im Sinne der Anklage wurden Johann Thiel zu zehn und Rupert Kautzky zu vier Monaten schwerem Kerker verurteilt. Johann Bartsch, Leopold Kautzky, Bertha Müller, Annas Traxler und Thomas Zoppoth wurden freigesprochen, weil sich der politische Charakter des Vereins nicht nachweisen ließ.

Anna Traxler verstarb einundzwanzigjährig am 20. Juni 1888 in Wien an Lungenschwindsucht.

  • Wien 5., Gießaufgasse 18 (Sterbeadresse)
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