Rudolf Warbinek (1863–)

Persönliche Daten
Geburtsdatum
1863
Geburtsort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch
Berufe
Biographie

Rudolf Warbinek absolvierte eine Tischlerlehre und arbeitete als Tischlergehilfe in Wien, wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss. Er war es auch, der enge Kontakte zur radicalen Arbeiterbewegung unterhielt.

In der Nacht auf den 10. November 1884 wurden dem Schieferbruchbesitzer Josef Brückner in Klein-Stohl (Mähren [Malá Štáhle, Tschechien]), 15 Kilo Dynamit gestohlen, gemäß behördlichen, aber dann gerichtlich nicht bestätigten Erhebungen von Johann Matzke sen. (1832–1901) und seinem Sohn Johann Matzke jun. (1857–1929), beide Grundbesitzer in Sperbersdorf (Mähren [Krahulčí, zu Dětřichov nad Bystřicí, Tschechien]). Kurz danach, am 16. November 1884, um 10 Uhr vormittags, wurde ein Dynamitattentat auf jenes Gebäude in Sternberg (Mähren [Šternberk, Tschechien]) verübt, in welchem sich die Bezirkshauptmannschaft, das Bezirksgericht und das Steueramt befanden, wodurch erheblicher Sachschaden entstand. Johann Matzke sen. und jun. sollen noch vorhandenes Dynamit am 7. Dezember 1884 in einem Gasthaus in Sperbersdorf den Webergehilfen Franz Karger (~1852–?) und Florian Pawlik (1863–?) übergeben haben, wobei Letztgenannter das Dynamit nach Sternberg (Mähren [Šternberk, Tschechien]) transportierte. Die Polizei hatte allerdings mittlerweile erfahren, dass dieses gestohlene Dynamit durch den allerdings bereits am 6. Dezember 1884 in Wien am Nordbahnhof verhafteten Rudolf Warbinek nach Wien geschmuggelt werden sollte. Das dafür vorgesehene, von Florian Pawlik nach Sternberg gebrachte Dynamit wurde, da Warbinbek nicht wie vereinbart erschien, in einer Kiste beim Ehepaar Franz und Marie Karger (~1851–?) deponiert. Am 7. Dezember 1884 nahm die Gendarmerie bei dem Ehepaar eine Hausdurchsuchung vor, beschlagnahmte fünfundfünfzig große und dreißig kleine Dynamitpatronen, verhaftete Franz und Maria Karger sowie Karl Weiß und lieferte diese ins Kreisgericht Olmütz (Mähren [Olomouc, Tschechien]) ein.

Rudolf Warbinek wurde am 6. Dezember 1884 um 21 Uhr auf dem Wiener Nordbahnhof verhaftet. Der in Wien geborene, aber nach Wostitz (Mähren [Vlasatice, Tschechien] zuständige Rudolf Warbinek wurde aufgrund der Ausnahmsverodnungen vom 30. Jänner 1884 am 13. Dezember 1884 aus Wien ausgewiesen und unter polizeiliche Überwachung gestellt: »4877 Warbinek Rudolf, Tischler, 1863 zu Wien geb., n. Wostitz, Bez. Nikolsburg in Mähren zust., k., l., kl., kräftig mit oval., fahlem Ges., dunkel br., struppigen H., dunklen, starken Augenbr., gr. Aug., längl., dicker Nase, gr. Mund, Schnurrb., breitem Kinn, das linke Knie einwärts gebogen, deutsch sprechend (mit Erk. vom 13. Dezember 1884).«1Rudolf Warbinek wurde nach seiner Abschaffung den Behörden in Olmütz (Mähren [Olomouc, Tschechien]) ausgeliefert und ins dortige Kreisgericht eingeliefert.

Vom 26. Mai bis 5. Juni 1885 fand vor dem Kreis- als Erkenntnisgericht Olmütz der Prozess gegen neun Radicale statt, bei dem es vor allem um das Dynamitattentat in Sternberg ging. Rudolf Warbinek wurde des Verbrechens der versuchten Verleitung zur öffentlichen Gewalttätigkeit und des Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung angeklagt. Ihm wurde die geplante Übernahme des gestohlenen Dynamits und die Mitgliedschaft in einer geheimen Gesellschaft im Jahr 1884 angelastet. Warbinek sagte vor Gericht aus, dass er im Dezember 1884 nach Sternberg, wo er schon im Oktober 1884 war, reisen wollte, um Arbeit zu suchen und nach seiner verschollenen Mutter zu forschen. Rudolf Warbinek wurde zu dreizehn Monaten schwerem Kerker verurteilt. Das Urteil wurde vom Obersten Gerichts- als Kassationshof am 6. Jänner 1886 bestätigt, wobei ihm die seit dem Ersturteil in Haft verbrachten sieben Monate angerechnet wurden.

Karte
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    [Anonym]: 4877 Warbinek Rudolf, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 85 (31. Dezember 1884), S. 339.