Ignaz Linsenmayer (1839–)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Ludwig Linsenmayer (Schottenfeld, Niederösterreich [zu Wien 7.] um 1803 – ?), Sohn einer Hausfrau und eines Zeugmachers: Seidenzeugmachergehilfe; Heirat in Schottenfeld, (Niederösterreich [zu Wien 7.]) am 28. November 1833 mit:
Mutter: Katharina Linsenmayer, geborene Jokanelly (Schottenfeld, Niederösterreich [zu Wien 7.] um 1810 – ?), Tochter einer Hausfrau und eines Zeugmachergehilfen: Handarbeiterin und Hausfrau
Ehe: in Wien am 24. Februar 1867 mit Amalia Czech (Alservorstadt, Niederösterreich [zu Wien 8.] 10. Juli 1842 – ?), uneheliches Kind: Hausfrau
Sohn: Alfred Ignaz Linsenmayer (Wien 24. Mai 1868 – Wien 11. Februar 1878)
Sohn: Paul Rudolf Linsenmayer (Wien 30. Juni 1874 – ?)
Tochter: Hermine Theresia Linsenmayer, verheiratete Silbermann (Wien 30. Juni 1874 – Wien 10. Oktober 1951)
Tochter: Leopoldine Franziska Linsenmayer (Wien 17. Oktober 1880 – ?)
Biographie
Ignaz Linsenmayer, der zunächst als Hausdiener arbeitete, absolvierte eine Bandmacherlehre und eröffnete 1877 eine Bandmacherei in Wien 6., Garbergasse 8. Bald danach schloss er sich der radicalen Arbeiterbewegung an.
Vom 26. bis 29. November 1884 fand vor dem Ausnahmsgericht Wien der so genannte Anarchistenprozess im Zusammenhang der geheimen Druckerei in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]), Kirchstetterngasse 41, statt. Alle zwanzig Angeklagten, darunter Ignaz Linsenmayer, wurden der Verbrechen des Hochverrats, der Majestätsbeleidigung, der Beleidigung von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses, der Religionsstörung sowie der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung angeklagt. Linsenmayer gestand, auf Aufforderung des Schlossergehilfen Karl Stumvoll (1857–?) 60 Gulden von einem gewissen Herrn Müller beschafft zu haben, das er gemeinsam mit diesem in einem Gasthaus in Fünfhaus (Niederösterreich [zu Wien 15.]), Märzstraße, Stumvoll und dem Metalldreher Karl Huliczka (1864–?) übergeben haben soll. Außerdem gestand er die Übernahme ein Paket mit dreihundert Exemplaren der ersten Nummer der mit »Juli« datierten Untergrundzeitung »Die Zukunft« [Wien und Neulerchenfeld (Wien)]1 vom Silberarbeiter Leopold Springer (1858–?) und ein Paket Flugblätter übernommen zu haben, doch habe er die Zeitung verbrannt, weil sie seiner Meinung nach blamabel schlecht gedruckt war, desgleichen die Fugblätter, deren Inhalt ihm verdächtig erschienen wäre. Ignaz Linsenmayer wurde im Sinne der Anklage zu drei Jahren schwerem Kerker, verschärft mit einem Fasttag im Monat, verurteilt.
Ignaz Linsenmayer schloss sich später der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei« an und Wurde Obmann des sich im September 1896 freiwillig selbst auflösenden »Vereins der Textilarbeiter Fünfhaus«. Am 28. Jui 1890 beriefen der Redakteur Rudolf Hanser (1859–1909) und Ignaz Linsenmayer in den »Dianasaal« in Wien 12., Jakobsgasse 47 [Grieshofgasse], eine auf geladene Gäste beschränkte Versammlung zur Besprechung des Wiener Weberstreiks ein. Da einige Einladungskarten keine Namen aufwiesen, wurde die Versammlung vom Regierungsvertreter aufgelöst. Hanser und Linsenmayer wurden deshalb vom Bezirkesgerich Untermeidling (Wien 12.) wegen Übertretung des Vereinsrechts zu je einer Woche Arrest verurteilt, wobei der Appellationssenat Hansers Strafe am 11. Oktober 1890 auf drei Tage Arrewst verkürzte.
Kategorien
Adresse
- Schottenfeld, Niederösterreich [zu Wien 7.], Schottenfeld 177 (Geburtsadresse)
- Wien 7., Apollogasse 13 (belegt für 1867 bis 1868)
- Wien 6., Garbergasse 10 (belegt für 1874 bis 1876)
- Wien 6., Gumpendorfer Straße 25 (belegt für 1880)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Februar 2025
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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- 1
Vgl. Die Zukunft. Organ der revolutionären Sozialisten Österreichs [Wien und Neulerchenfeld (Wien)], [1]. Jg., N. 1 (Juli 1884). Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 12. August 1884 in Österreich verboten.