Karl Stumvoll (1857–)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Mutter: Antonia Stromer (um 1829 – ?), Tochter einer Hausfrau und eines Zimmermanngehilfen: Hausfrau; Heirat in Ungarschitz (Mähren [Uherčice (okres Znojmo), Tschechien]) am 12. Februar 1860 mit:
Vater: Jakob Stumvoll (um 1824 – ?), Sohn einer Hausfrau und eines Schmiedmeisters: Schneidermeister
Bruder: Heinrich Stumvoll (Ungarschitz, Mähren [Uherčice (okres Znojmo), Tschechien] 28. Juni 1860 – 17. Juni 1940)
Schwester: Maria Stumvoll (Ungarschitz, Mähren [Uherčice (okres Znojmo), Tschechien] 16. Juli 1871 – ?)
Biographie
Karl Stumvoll abslovierte eine Schlosserlehre und arbeitete als Schlossergehilfe in Wien, wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.
Karl Stumvoll wurde aufgrund der Ausnahmsverordnungen vom 30. Jänner 1884 am 14. August 1884 aus Wien ausgewiesen und unter polizeiliche Überwachung gestellt: »3572 Stumvoll Karl, Schlossergeh., geb. 1854 [!] u. zust. zu Ungarschitz, Bez. Datschitz in Mähren, k., l., mittelgr., stark, mit oval. Ges., dunkelbld. H., flacher, hoher Stirn, dunkl. Augenbr., dicker Nase, bld. Schnurrb. u. Fliege, deutsch u. böhmisch sprechend (mit Erk. v. 14/8. 84). [...] Pol. -Dion. Wien 16/9. 84.«1
Karl Stumvoll wurde an die Grenze zum Kronland Mähren eskortiert, aber schon am 8. September 1884 in Datschitz (Mähren [Dačice, Tschechien]) im Zusammenhang mit der am 3. September 1884 in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]) aufgedeckten geheimen Druckerei der Wiener Radicalen verhaftet und am 20. September 1884 in das Landesgericht Wien eingeliefert. Aufgrund seiner Aussage wurde kurz danach auch der Hafnergehilfe Emanuel Doktor (1844–1925) verhaftetet.
Vom 26. bis 29. November 1884 fand vor dem Ausnahmsgericht Wien der so genannte Anarchistenprozess im Zusammenhang der geheimen Druckerei von Neulerchenfeld statt. Alle zwanzig Angeklagten, darunter Karl Stumvoll, wurden der Verbrechen des Hochverrats, der Majestätsbeleidigung, der Beleidigung von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses, der Religionsstörung sowie der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung angeklagt. Karl Stumvoll wurde bezichtigt, sich an der Herstellung der verbotenen Druckschriften beteiligt zu haben. Er hatte die erste Nummer der mit »Juli« datierten Untergrundzeitung »Die Zukunft« [Wien und Neulerchenfeld (Wien)],2 gedacht als Fortsetzung der am 15. Februar 1884 erschienenen Zeitung »Die Zukunft« (Budapest), in der Wohnung des Zimmermalers und Anstreichers Willibald Buchmann (1854–?) in Neulerchenfeld (Niederösterreich [zu Wien 16.]), Kirchstetterngasse 53, gemeinsam mit diesem, mit dessen der Ehefrau, der Hausfrau Anna Buchmann (~1858–?), und mit dem Metalldreher Karl Huliczka (1864–?) fertig gesetzt und gedruckt. Karl Stumvoll wurde im Sinne der Anklage zu vier Jahren schwerem Kerker, verschärft mit einem Fasttag im Monat, verurteilt.
Kategorien
Adresse
- Ungarschitz, Mähren [Uherčice (okres Znojmo), Tschechien], Ungarschitz 7 (Geburtsadresse)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Februar 2025
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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- 1
[Anonym]: 3572 Stumvoll Karl, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 62 (20. September 1884), S. 247. Karl Stumvoll wurde tatsächlich am 23. Jänner 1857 geboren.
- 2
Vgl. Die Zukunft. Organ der revolutionären Sozialisten Österreichs [Wien und Neulerchenfeld (Wien)], [1]. Jg., N. 1 (Juli 1884). Die Weiterverbreitung der Druckschrift wurde mit Erkenntnis des Landes- als Pressgericht Wien vom 12. August 1884 in Österreich verboten.