Johann Rith (1860–1943)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Johann Rüth: Metzgermeister; Heirat mit:
Mutter: Anna Maria Rüth, geborene Röger: Hausfrau
Ehe: in Wien am 7. Februar 1892 mit »Therese« Theresia Zott (Ameis [zu Staatz], Niederösterreich 7. März 1866 – Wien 5. Juli 1935), Tochter einer Bäuerin und eines Halbbauern: Miedermacherin, Hausfrau
Kinder: keine
Biographie
Der in Bayern geborene Johann Rith, zuständig nach Wien, absolvierte eine Gürtlerlehre und arbeitete als Bronzearbeiter in Wien, wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss.
In der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 1885 wurde in Baumgarten (Niederösterreich [zu Wien 14.]), Hauptstraße 4, im vorsätzlich aufgerissenen Fußboden des Dachbodenraums ein Feuer gelegt. Der Inhaber dieses Hauses, der Milchmaier Anton Protiwinsky (1860–1897), hatte einen Sozialrevolutionär, den Drechslergehilfen Josef Stieber (~1860–?), angezeigt, weil er auf die Hausmauer »Hoch die Republik!« – nach anderen Quellen »Es lebe die rote Republik!« – geschrieben habe. Josef Stieber war daraufhin am 10. September 1883 verhaftet und nach neuntägiger Untersuchungshaft im Landesgericht Wien freigelassen worden. Nunmehr wurde angenommen, dass das Feuer aus Rache für die damalige Anzeige gelegt worden sei. Eine Ausbreitung des Brandes wurde durch das Eingreifen des Nachtwächters und der von ihm alarmierten Hausbewohner verhindert. Als angebliche Brandleger dieser so genannten Protiwinsky-Affäre wurden erst im Herbst 1887 vier Sozialrevolutionäre ermittelt: der Metallschleifer Franz Czermak (1863–?), der Drechslergehilfe Heinrich Höfermayer (1862–?), Johann Rith und Josef Stieber. Czermak lieferte Fetze, die mit Zuündstoff gefüllte Metallhülle und die Zündschnur, Höfermayer Fetzen und Rith soll Schmiere gestanden sein, während Czermak gemäß Aufforderung von Stieber, den Brand legte. Rith, der mit Czermak, Höfermayer und Stieber befreundet war, war aber, wie später bewiesen, bei der Brandlegung nicht anwesend.
Johann Rith, dem der Boden in Wien zu heiß geworden war, begab sich nach Berlin (Preußen [Berlin]), von wo er aber im September 1887 ausgewiesen wurde.
Am 13. Februar 1888 fand vor dem Landes- als Erkenntnisgericht Wien das Verfahren gegen drei Sozialrevolutionäre wegen des Brandanschlages auf das Haus von Anton Protiwinsky, der so gennanten Protiwinsky-Affäre vom 25. Juni 1885, statt. Angeklagt wurden Franz Czermak, Johann Rith und Josef Stieber. Die Anklage gegen den ebenfalls an dieser Brandlegung beteiligten Heinrich Höfermayer wurde fallengelassen, weil er bereits wegen der so genannten Protowinsky-Affäre im großen so genannten Anarchisten-Prozess, der vom 21. bis 28. März 1887 vor dem Landes- als Ausnahmsgericht Wien stattgefunden hatte, zur Höchststrafe von fünfzehn Jahren verurteilt worden war. Franz Czermak, der bereits wegen seiner Teilnahme an der so genannten Tyll-Affäre vom 3. August 1885 am 9. Mai 1887 vom Landes- als Ausnahmsgericht Wien zu vier Jahren Kerker verurteilt worden war, legte nun ein Geständnis im Sinne der Anklage ab und wurde zu weiteren fünf Jahren schwerem Kerker verurteilt. Josef Stieber, der im großen so genannten Anarchisten-Prozess, der vom 21. bis 28. März 1887 vor dem Landes- als Ausnahmsgericht Wien stattgefunden hatte, zu neun Jahren schwerem Kerker verurteilt worden war, wurde zwar aufgrund der Aussage von Franz Czermak als bei der Tat nicht anwesend entlastet, wurde aber trotzdem zu weiteren drei Jahren schwerem Kerker verurteilt. Außerdem wurden Franz Czermak und Josef Stieber nach Verbüßung der Strafen unter Polizeiaufsicht gestellt. Das Verfahren wegen Verbrechens der Brandlegung aus anarchistischen Motiven gegen Johann Rith, den beide anderen Angeklagten entlasteten, wurde vertagt und an den Untersuchungsrichter zurückverwiesen. Am 16. März 1888 wurde das Alibi von Johann Rith als unwiderlegbar betrachtet, woraufhin der Staatsanwalt die Klage zurückzog und Johann Rith aus der Haft entlassen wurde.
Johann Rith, der sich danach offensichtlich aus der Arbeiterbewegung zurückzog, blieb in Wien, wo er bis 1897 als Werkführer arbeitete. 1897 gründete er sein eigenes Unternehmen, nämlich eine Werkstätte zur Erzeugung von Bronzewaren und seit 1911 auch für Bestellungen und Ausführung von Installationsarbeiten in Wien 4., Favoritenstraße 60. Dieses betrieb Johann Rith bis 1929, danach seine Ehefrau bis zu ihrem Tode 1935 eine Miedermacherei.
Kategorien
Adresse
- Wien 4., Belvederegasse 38 (belegt für 1892)
- Wien 4., Goldeggasse 14 (belegt für 1893 bis 1896)
- Wien 4., Favoritenstraße 42 (belegt für 1897 bis 1935)
Karte
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2025
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