Franz Lederer (1846–1886)

Persönliche Daten
Geburtsdatum
Ungefähr 1846
Geburtsort
Sterbedatum
27. Januar 1886
Sterbeort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch
Berufe

Ehe: mit Maria Hrbeček (Strunkowitz an der Wolinka, Böhmen [Strunkovice nad Volyňkou, Tschechien] 15. Mai 1852 – Eggenberg [zu Graz], Steiermark 2. Jänner 1920): Näherin
Sohn: Heinrich Florian Lederer (Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark 24. März 1881 – ?): Maschinist
Sohn: Rudolf Lederer (Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark 13. Jänner 1883 – Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark 24. Oktober 1883)
Tochter: Justina Maria Lederer (Algersdorf [zu Graz], Steiermark 2. August 1884 – Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark 10. Juni 1886): an Auszehrung verstorben
Tochter: Maria Lederer (Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark 8. Jänner 1886  – Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark 22. September 1886): an den Fraisen verstorben

Biographie

Franz Lederer absolvierte eine Tischlelehre und arbeitete in Graz (Steiermark) als Tischlergehilfe. Schon früh schloss er sich der sozialistischen Arbeiterbewegung an und wurde Kasssier des »Politischen Verein s›Brüderlichkeit‹«. Er war es auch, der als Proponent für den »Gewerbeverein der Holzarbeiter in Graz« fungierte, dessen Bildung im Februar 1873 von der Steiermärkischen Statthalterei (Landesregierung) untersagt, dann aber doch genehmigt wurde. Allerdings musste deren Obmann Franz Lederer die Selbstauflösung desselben gemäß Beschluss der Generalversammlung vom 6. Dezember 1875 anzeigen. Franz Lederer nahm auch als einer der Delegierten der Steiermark am Delegiertentag der »Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs« teil, der am 15. und 16. Juni 1875 in Marchegg (Niederösterreich) stattfand. Hier wurde er auch in das Agitationskomitee der Partei gewählt. Wegen seiner Teilnahme an diesem Delegiertentag wurde Lederer im Hochverratsprozess gegen Hippolyt Tauschinsky (1839–1905) und Genossen, der vom 1. bis 8. Dezember 1875 vor dem Landes- als Schwurgericht Graz stattfand, des Verbrechens des Hochverrats angeklagt, jedoch freigesprochen. Erst um 1883 schloss sich Franz Lederer der radicalen Arbeiterbewegung an.

Am 6. Jänner 1885 fanden in Graz gleichsam als Nachspiel zum großen Sozialistenprozess vom 11. bis 25. Juni 1884 die Appellationsverfahren gegen den gelernten Bäckergehilfen und nunmehrige Dienstmann Johann Hitti (1832–1896), Franz Lederer und den Maschinenschlosser Franz Rößler statt. Beim Prozess 1884 war man unter anderem davon ausgegangen, dass die Radicalen Michael Kappauf (1843–1890), Buchhalter, und Josef Schneider (1836–1908), Kettenschmied, beide Beamte der »Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Invaliden-Kasse«, die Krankenkasse für die Radicalen übernehmen wollten. Dies sei aber durch den Obmann, den ehemaligen Schienenarbeiter und nunmehrigen Gastwirt Josef Braun (1849–1912), verhindert worden. Noch während des Prozesses waren am 13. Juni 1884 aus der Kasse der »Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Invaliden-Kasse« 143 Gulden und 15 Kreuzer gestohlen worden. Die Gemäßigten äußerten den Verdacht, dass die Radicalen das Geld entwendet hätten, um damit die Kosten für den Verteidiger im großen Sozialistenprozess zu bestreiten, wobei als Dieb konkret Franz Rößler genannt worden war. Die von den Gemäßigten angestrengten polizeilichen Erhebungen waren diesbezüglich aber im Sand verlaufen. In der Generalversammlung der »Allgemeinen Arbeiter-Kranken- und Invaliden-Kasse« am 21. September 1884 beschuldigten nun Franz Lederer und Franz Rößler den Vereinsobmann Josef Braun, seinerseits das Geld entwendet zu haben, um die Radicalen dadurch in Verruf zu bringen. Josef Braun klagte und Franz Lederer sowie Franz Rößler wurden vom Bezirksgericht Graz wegen Ehrenbeleidigung zu je einem Monat verschärftem Arrest verurteilt. Nunmehr erkannte der Appellationssenat die beiden Verurteilten für unschuldig. Gleichzeitig hatte sich damals Josef Braun gegen den Vorwurf Johann Hittis verwehren müssen, er habe einen an den Ausschuss der Krankenkasse gerichteten Brief Michael Kappaufs entwendet. Josef Braun konnte aber belegen, dass der Brief an ihn als Obmann gerichtet war, weshalb Johann Hitti vom Bezirksgericht Graz zu acht Tagen Arrest verurteilt worden war. Dieses Urteil wurde nunmehr vom Appellationssenat bestätigt.

Schon bald nach diesem Prozess, am 27. Jänner 1886 verstarb Franz Lederer, keine zwei Wochen nach der Geburt seiner Tochter Maria, in Graz an Bauchtyphus.

Todesanzeige

  • Die Arbeit (Graz), 2. Jg., Nr. 5 (5. März 1886), S. [4]
  • Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark, Neu-Algersdorf 75 (belegt für 1881)
    Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark, Neu-Algersdorf 161 (belegt für 1883)
  • Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark, Neu-Algersdorf 106 (belegt für 1886)
  • Neu-Algersdorf [zu Graz], Steiermark, Georgigasse 141 (Sterbeadresse) 
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