Eduard Tetzel (1866–1885)

Persönliche Daten
Namensvarianten
falsche Namensform: Edmund Tetzel
falsche Namensschreibweise: Eduard Tetzl
Geburtsdatum
20. Februar 1866
Sterbedatum
21. Juli 1885
Sterbeort
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch

Vater: Josef Tetzel, Sohn einer Hausfrau und eines Grundbesitzers: Wirtshauspächter; Heirat am 15. November 1863 mit:
Mutter: Katharina Tetzel, geborene Wenc, Tochter einer Hausfrau und eines Hufschmiedes

Biographie

Der Eisengießer Eduard Tetzel, nach Bielau (Böhmen [Bílov, Tschechien]) zuständig, war Anhänger der radicalen Arbeiterbewegung.

Eduard Tetzel kam im Sommer 1884 aus Böhmen nach Budapest (Ungarn). Vermutlich am 13. August 1884 fand hier bei ihm eine Hausdurchsuchung statt. Angeblich fand die Polizei so genannte Höllenmaschinen, die bei der Versendung in Schatullen Dynamit zu Explosion brächten, weiters Gussformen für Dynamitbomben und eine halbfertige, noch mit Sand gefüllte Pistonbombe. Edmund Tetzel wurde sofort verhaftet. Eduard Tetzel wurde sofort festgenommen. Im Zuge weiterer Untersuchungen wurden am 25. August 1884 drei aus Wien ausgewiesene Radicale, die gerade in Tetzels Wohnung anwesend waren, ebenfalls festgenommen: der erst am 21. Juli 1884 aus Wien ausgewiesene und am 21. August 1884 in Budapest eingetroffene Schneider Arnold Mrňa (1860–?), der am 18. Februar 1884 aus Wien und am 22. April 1884 aus Bayern ausgewiesene Spenglergehilfe Franz Rauch (1851–?) sowie der am 12. Februar 1884 aus Wien ausgewiesene Kupferschmiedgehilfe Karl Urbanek (1848–?). Obwohl man ihnen kein direktes Verbrechen nachweisen konnte, wurden Arnold Mrňa, Franz Rauch, Edmund Tetzel und der am 9. September 1884 neuerlich verhaftete Karl Urbanek 1884 aus sämtlichen Ländern der ungarischen Krone (also aus der ungarischen Reichshälfte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie) für immer ausgewiesen und in die österreichische Reichshälfte abgeschoben: Eduard Tetzel am 12. August 1884, Arnold Mrňa am 13. August 1884, Franz Rauch am 19. August 1884 und Karl Urbanek im September 1884. Mit dieser Aktion der Behörden schied Ungarn als publizistisches Rückzugsfeld österreichischer Radicaler endgültig aus.

Eduard Tetzel wurde zum Grenzbahnhof Marchegg (Niederösterreich) eskortiert. In Österreich wurde er auf Anweisung der Polizei-Direktion Wien vom 7. September 1884 unter polizeiliche Überwachung gestellt: »Laut Mittheilung der Oberstadthauptmannschaft zu Budapest, ddo. 27. u. 28. August l. J., Z. 636 und 643, wurden wegen Theilnahme an der sozialistischen Propaganda als für die öffentl. Ordnung gefährlich aus Budapest u. den Ländern der ungar. Krone für beständig abgeschafft und an die Landesgrenze nach Marchegg befördert: [...] 3577 Tetzl [!] Eduard, Eisengießer, geb. 1864 [!] zu Frauenthal, nach Bielau in Böhmen zust., k. , I. (mit Erk. v . 12/8. 1884.) [...] Pol.-Dion. Wien 7/9. 84.«

Eduard Tetzel begab sich nach Wien, wo er als Metalldrehergehilfe Arbeit fand, aber schon am 21. Juli 1885 mit nur neunzehneinhalb Jahren an einer Lungenblutung verstarb.

  • Frauenthal, Böhmen [Pohled, Tschechien], Frauenthal 44 (Geburtsadresse)
  • Budapest, Ungarn, Wesselényi utca 30 (1884)
  • Wien 10., Bürgerplatz 16 (Sterbeadresse)
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