Alois Brüner (1874–)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Vater: Franz Brüner: Viktualienhändler; Heirat mit:
Mutter: Christine Brüner, geborene Großschädl: Hausfrau
Ehe: in Graz (Steiermark) am 4. Oktober 1908 mit Pauline Maria Schmued (Leoben, Steiermark 7. März 1872 – Graz, Reichsgau Steiermark, Deutsches Reich [Steiermark, Österreich] 20. März 1940), Tochter einer Hausfrau und eines Oberoffizials: Wirtschafterin
Sohn: Alois Brüner (Graz, Steiermark um 1909 – Graz, Steiermark 3. Jänner 1913)
Biographie
Alois Brüner, zuständig nach Rohrbach [zu Mettersdorf am Saßbach] (Steiermark), kehrte in den 1890er-Jahren in seine Geburtsstadt Graz (Steiermark) zurück. Hier arbeitete er als Maurergehilfe und schloss sich dem Kreis der jungen Unabhängigen Socialisten, den Freien Socialisten, um den gelernten Steindrucker und nunmehrigen Maschinenmeister Johann Gruber (1874–?) und den Hilfsarbeiter und jetzigen Maurergehilfen Franz Prisching (1864–1919) an.1
Alois Brüner hatte aber auch den Ruf eines unverbesserlichen Raufbolds, was ihm wiederholt zum Verhängnis wurde. Am 21. September 1898 besuchte er mit einem Kollegen die Kaffeeschank von Marie Pugl in Graz, Elisabethinergasse 16. Nach abfälligen Äußerungen über eine dort anwesende Köchin, welche sich mit einem anderen Gast slowenisch unterhielt, wurde er von diesem Gast gefragt, wer er sei. Brüner antwortete: »Ich bin ein Italiener und dazu ein Anarchist.«2 Als darauf die Köchin meinte, dass ein Italiener der Mörder von Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837–1898) war, antwortete Brüner: »Ich bin stolz darauf.«3 Als er hörte, dass man einen Wachmann holen wollte, verließ Brüner mit seinem Kollegen das Lokal, und Brüner rief von der Türschwelle aus ins Lokal hinein: »Hoch die Anarchie! Noch einmal so viel soll geschehen, als geschehen ist! Wer dazu kommt, muss es thun!«4 Alois Brüner wurde deshalb am 26. Oktober 1898 vor dem Landesgericht Graz angeklagt, verbotene Handlungen angepriesen und zu verbotenen Handlungen aufgefordert zu haben. Er wurde im Sinn der Anklage zu sechs Wochen Arrest verurteilt.
Nach seiner Haftentlassung begab sich Alois Brüner nach Mettersdorf [zu St. Peter am Ottersbach] (Steiermark), wo er wieder als Maurergehilfe arbeitete. Am 29. September 1900 kam es in Oberrosenberg [zu St. Peter am Ottersbach] (Steiermark) zu einem folgenreichen Streit. Alois Brüner und sein Begleiter, der Bauernsohn Alois Schweigler (1881–1955), sangen vor dem Haus des Gutsbesitzers Franz Meichenitsch abwechselnd »Die Wacht am Rhein« und das »Lied der Arbeit«. Danach begab sich Brüner in die Tabaktrafik von Meichenitsch. Dessen Knecht Leopold Michalič (1881–1900) verwies Brüner, der weiterhin Lärm machte, aus dem Geschäftslokal und stellte ihn dann auf der Straße energisch zur Rede. Er forderte Brüner auch auf, den gegen ihn drohend erhobenen Stock fallen zu lassen. Alois Brüner entfernte sich, doch Michalič holte aus dem Stall seines Dienstherrn eine Mistgabel und verletzte Brüner leicht. Daraufhin reichte Alois Schweigler seinem Freund Brüner einen Hirschfänger, der damit dreimal auf Michalič einstach. Leopold Michalič erlag noch in der Nacht seinen Verletzungen. Brüner und Schweigler mussten sich deshalb am 23. November 1900 vor dem Landes- als Schwurgericht Graz verantworten. Alois Brüner wurde wegen Totschlags zu vier Jahren schwerem Kerker, Alois Schweigler wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens zu sechs Monaten strengem Arrest verurteilt.
Nach seine Haftentlassung blieb Alois Brüner in Graz, wo er 1908 heiratete. Längst hatte er sich von der Arbeiterbewegung zurückgezogen und die Karriere eines Kleinkriminellen eingeschlagen. Beispielsweise schlich sich Alois Brüner am 21. August 1912 in die Wohnung des Maurers Franz Rupp in Graz, Schönaugasse 41, ein, erbrach dort einen Koffer und entwendete Maurerwerkzeug im Wert von 18 Kronen und 60 Heller. Alois Brüner, wegen Diebstahls bereits zweimal abgestraft, wurde am 4. August 1913 vom Landesgericht Graz wegen vollbrachten Diebstahls zu zwei Monaten strengem Arrest verurteilt.
Kategorien
Adresse(n)
Graz, Steiermark, Kreuzgasse 20 (Geburtsadresse)
Graz, Steiermark, Schönaugasse 19 (Wohnadresse 1908)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Jänner 2026
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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- 1
Vgl. [anonym]: Soziale Zeitgeschichte. [/] Graz, in: Neues Leben. Anarchistisch-sozialistische Wochenschrift (Berlin), 2. Jg., Nr. 18 (5. November 1898), S. 108.
- 2
Alois Brüner, zitiert nach [anonym]: Gerichtssaal. [/] Graz, 26. October. (Ein Anarchist.), in: Grazer Tagblatt. Organ der Deutschen Volkspartei für die Alpenländer [/] Morgen-Ausgabe (Graz), 8. Jg., Nr. 297 (27. October 1898), S. 7.
- 3
Alois Brüner, zitiert nach [anonym]: Gerichtssaal. [/] Graz, 26. October. (Ein Anarchist.), in: Grazer Tagblatt. Organ der Deutschen Volkspartei für die Alpenländer [/] Morgen-Ausgabe (Graz), 8. Jg., Nr. 297 (27. October 1898), S. 7.
- 4
Alois Brüner, zitiert nach [anonym]: Gerichtssaal. [/] Graz, 26. October. (Ein Anarchist.), in: Grazer Tagblatt. Organ der Deutschen Volkspartei für die Alpenländer [/] Morgen-Ausgabe (Graz), 8. Jg., Nr. 297 (27. October 1898), S. 7.