Josef Kulle (1874–1971)
Persönliche Daten
Familienverhältnisse
Mutter: Margaretha Kuess (Klagenfurt / Celovec [Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru], Kärnten 7. Februar 1861 – ?): Pächterin einer Ausschank
Vater: Markus Kulle (St. Jakob an der Straße / Šentjakob pri Celovcu [zu Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru], Kärnten25. April 1850 – Klagenfurt / Celovec [Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru], Kärnten 25. April 1910): Holzhändler und Realitätenbesitzer
Ehe: in Klagenfurt / Celovec [Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru] (Kärnten) am 24. August 1914 mit Maria Jakobitsch (St. Michael am Zollfeld / Šmihel na Gosposvetskem polju [zu Maria Saal / Gospa Sveta], Kärnten 3. Februar 1885 – ?): Wirtschafterin; Trauzeuge war Friedrich Preschern (1850–1919)
Biographie
Josef Kulle, zuständig nach Ottmanach / Otmanje [zu Magdalensberg / Štalenska gora] (Kärnten), absolvierte eine Tischlerlehre und arbeitete als Tischlergehilfe in Klagenfurt / Celovec [Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru] (Kärnten). Hier schloss er sich um 1890 den Unabhängigen Socialisten an. Er trat zwar weder als Redner noch Autor von Artikeln in die Öffentlichkeit, galt aber als wichtiger Vertreter des Anarchismus vor Ort. Josef Kulle, später Tischlermeister, war auch nach dem Ende der Unabhängigen Socialisten in der anarchistischen Besegung in Klagenfurt / Celovec in der dortigen »Gruppe der unabhängigen Sozialisten« aktiv und unterhielt auch Kontakt zur Gruppe »Wohlstand für Alle« in Wien. Als Anhänger des Kampfmittels Generalstreik vertrat er einen parallel geführten ökonomischen Kampf von Genossenschaftsbewegung und gewerkschaftlichem Kampf. Josef Kulle schloss sich dann den Freien Sozialisten in Klagefurt / Celovec an und nahm – ohne Mandat – an der Freisozialistischen Konferenz teil, die am 11. und 12. Juni 1905 in Wien stattfand. Dort legte er das »Programm der freien Sozialisten der Alpenländer« vor: »1. Die Organisation ist vollständig auf unparteiischer und ökonomischer Grundlage aufzubauen, um dadurch der gesamten Menschheit mit einer solchen Organisation am nächsten stehen zu können. Denn die ökonomische Ausbeutung ist die Grundlage aller Ausbeutungen und daher der ökonomische Freiheitskampf der ausschlaggebende. 2. Um dies durchführen zu können, ist der Generalstreik als Hauptwaffe zu organisieren, und zwar von Zeit zu Zeit soviel als möglich in leicht verständlichen populären Flugblättern. 3. Verwerfung des Wahlrechtes. Denn durch nichts andereshat [!] man den revolutionären Geist der Bevölkerung mehr getötet als durch Versprechungen, die nie durchgeführt werden, weil das System der Herrschenden auf Grundlage der Ausbeutung aufgebaut ist. 4. Die Presse soll einheitlich sein, wie es vollständig den übrigen drei hervorgehobenen Punkten entspricht.«1 Im Februar 1913 wurde Josef Kulle auch Mitglied und Ausschussmitglied der »Werksgenossenschaft der Tischler und Tapezierer«. Er betrieb damals seine Möbeltischlerei in der St. Veiter Straße 5. 1922 eröffnete er eine Tischlerei mit Möbelniederlage bzw. Möbelhaus in der Wodleystraße 9 [Dr.-Franz-Palla-Gasse].
Mitarbeiter*innen an Periodika
- Neues Leben (Berlin) 1901
Freisozialistischer Arbeiterbund in Österreich (Wien) 1905
Kategorien
Adresse(n)
- Hörtendorf / Trdnja vas [zu Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru], Kärnten, Hörtendorf 13 (Geburtsadresse)
- Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru, Kärnten, St. Veiter Straße 5 (Wohnadresse 1910 bis 1918)
- Klagenfurt am Wörthersee / Celovec ob Vrbskem jezeru, Kärnten, Wodleystraße 9 [Dr.-Franz-Palla-Gasse] (Wohnadresse 1922 bis 1938)
Karte
Autor / Version / Copyleft
Autor: Reinhard Müller
Version: Jänner 2026
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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Protokoll über die Konferenz der freisozialistischen Partei in Österreich am 11. und 12. Juni 1905 in Wien (VII., Bernhardgasse Nr. 37), in: Freisozialistischer Arbeiterbund in Österreich (Wien), 1. Jg., Nr. 13 (8. Juli 1905), S. 3–25, hier S. 8–9.