Josef Chmelík (1856–)

Persönliche Daten
Namensvarianten
deutsche Namensform: Josef Chmelik
Geburtsdatum
1856
Religionsbekenntnis
römisch-katholisch
Berufe
Biographie

Josef Chmelík absolvierte eine Drechslerlehre und kam als Drechslergehilfe nach Wien, wo er sich der radicalen Arbeiterbewegung anschloss und Mitglied dies Wiener »Arbeiter-Bildungsvereins« wurde.

Am 5. Juli 1884 fand in »Bauzek’s Gasthaus« (Ferdinand Bauzek) in Fünfhaus (Niederösterreich [zu Wien 15.]), Turnergasse 9, eine polizeiliche Razzia statt. Die in einem Extrazimmer angetroffenen sechsundzwanzig tschechoslawischen Arbeiter wurden verhaftet, unter ihnen mehrere Mitglieder des ehemaligen radicalen tschechoslawischen »Böhmischen Bildungs- und Geselligkeitsverein ›Slovan‹« (Der Slawe). Elf Festgenommene wurden innerhalb der beiden nächsten Tage freigelassen, fünfzehn Verhaftete wurden unter dem Verdacht der Geheimbündelei und Aufreizung zu Feindseligkeiten in das Landesgericht Wien eingeliefert. Am 19. Juli 1884 wurden auch diese Inhaftierten entlassen werden, jedoch der Polizei zur Amtshandlung, also zur Ausweisung, übergeben werden. Lediglich Josef Chmelík musste sich vor Gericht verantworten. Er hatte das tschechische so genannte Zarenlied (»Czarenlied«) gesungen, dessen Refrain »Ein Hoch auf das Dynamit!« auch von den Anwesenden angeblich mitgesungen wurde. Die Übersetzung des Liedbeginns lautet etwa: »Ein junges, weißes Mädchen ruft: es lebe hoch die Freiheit! In Rußland ist ein großer Sturm; der Nihilist trotzt, die Polizei ist schläfrig; in Rußland ist eine Bombe geplatzt, die in Stücke zerriß»1 Am 29. Juli 1884 fand vor dem Landes- als Erkenntnisgericht Wien der Prozess gegen Josef Chmelík wegen Vergehens gegen die öffentlichen Ruhe und Ordnung statt, begangen durch das Absingen des so genannte Zarenlieds (»Czarenlied«). Josef Chmelík wurde im Sinne der Anklage zu zwei Monaten strengem Arrest verurteilt.

Nach Verbüßung seiner Haftstrafe wurde Josef Chmelík aufgrund der Ausnahmsverordnungen vom 30. Jänner 1884 am 30. September 1884 aus Wien ausgewiesen und unter polizeiliche Überwachung gestellt: »4246 Chmelik Josef, Drechslergeh., im Jahre 1856 zu Prag in Böhmen geb., dahin zust., k., I., mittelgr., schwächlich, mit oval., blass. Ges., bld. H. u. Augenbr., gr. Augen, flacher Stirne, gr. Nase, kI. Mund, guten Zähnen, Schnurrbartanflug, oval. Kinn, böhmisch u. gebrochen deutsch sprechend, nach beim h. o. k. k. Land.-Ger. weg. Vergehens gegen die öffentl. Ruhe u. Ordnung nach §. 305 St.-G. verb. 2monatl. Arreststrafe (mit Erk. vom 30. September 1884).«2

 

Karte
  • 1

    Zitiert nach [anonym]: Gerichtssaal. [/] Wien, 29. Juli. [Orig.-Ber.] (Das Czarenlied.), in: Wiener Allgemeine Zeitung [/] Morgenblatt (Wien), [5]. Jg., Nr. 1588 (30. Juli 1884), S. 7.

  • 2

    [Anonym]: 4246 Chmelik Josef, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 75 (15. November 1884), S. 297.