Fluchtweg und Verhaftung von Anton Kammerer 28. Februar 1884

Beschreibung

Am 28. Februar 1884 sollte Anton Kammerer aufgrund vertraulicher Hinweise aus Zürich beim Verlassen des Kaffeehauses Gustav Fischer in Wien 8., Blindengasse 28, von vier Polizeidetektiven festgenommen werden. Kammerer kam um 14 Uhr 30 in das Kaffeehaus. Hier befand er sich in Begleitung von Rudolf Oppel (1855–1922) und Johann Heindl, der später fälschlich verdächtigt wurde, Anton Kammerer verraten zu haben. Ebenfalls anwesend war im Lokal bereits seit 13 Uhr 30 ein Polizeidetektiv, während ein zweiter Polizeidetektiv vor dem Kaffeehaus Aufstellung nahm. Zwei weitere Polizeidetektive standen im Flur eines benachbarten Hauses bereit. Als Kammerer gegen 16 Uhr das Kaffeehaus verließ, fasste ihn einer der beiden links und rechts des Eingangs lauernden Polizeidetektive von hinten. Kammerer hatte seinen Revolver bereits schussbereit in der Hand und verletzte einen Polizeidetektiv durch einen Streifschuss an der rechten Hand. Dem hinzukommenden Sicherheitswachmann Georg Bayer (~1853–1885) setzte Kammerer den Revolver an die Brust, wurde dabei aber niedergestoßen. Rudolf Oppel versetzte nun dem Polizeidetektiv, der Kammerer festhielt, einen Schlag und brüllte: »Schieß! Schieß!« Anton Kammerer konnte sich nun aus der Umklammerung lösen und floh mit vorgehaltenem Revolver Richtung Josefstädter Straße (Wien 8.), bog in die Stolzenthalergasse (Wien 8.) ein, überquerte die Lerchenfelder Straße (Wien 7.), lief nunmehr von mehreren Detektiven, Wachleuten in Zivil und Sicherheitswachmännern verfolgt durch die Schottenfeldgasse (Wien 7.) in die Bernardgasse (Wien 7.). Als Sicherheitswachmänner den Säbel zogen, blieb Kammerer stehen, zielte und verletzte einen Sicherheitswachmann durch einen Streifschuss an der Stirn, welcher daraufhin bewusstlos zusammenbrach. Kammerer erhielt vor dem Haus Bernardgasse 2 einen Säbelhieb auf den Rücken, strauchelte und schoss noch zwei Mal im Fallen auf einen Sicherheitswachmann, der auf ihn losstürzte, und verwundete ihn durch einen Schuss am rechten Oberschenkel. Die im Zuge der Festnahme von Anton Kammerer verletzten Beamten waren der Polizeiagent Johann Fasold (~1841–1898), der Sicherheitswachmann Johann Werner und der Sicherheitswachmann Ludwig Schröder, der schwer verletzt wurde. Vier Wachleute schleppten nach der erfolgreichen Festnahme den gefesselten Anton Kammerer, dem von der inzwischen zusammengelaufenen Menschenansammlung Lynchjustiz angedroht wurde, auf die Wachstube in der Schottenfeldgasse (Wien 7.), wo ein Amtsarzt bei Kammerer – neben zahlreichen Flohstichen – mehrere ein bis zwei Zentimeter lange und bis einen Zentimeter breite Hautabschürfungen an Gesicht und Stirn sowie ein Blutgerinnsel am hinteren Rachenrand feststellte. Bei Kammerer wurden ein sechsläufiger British Bull Dog-Revolver, eine zugespitzte Feile und ein Fläschchen mit farbloser Flüssigkeit gefunden. In seiner Wohnung wurde weiters eine zwei Kilo schwere Dynamitsprengbüchse entdeckt. Schließlich wurde Anton Kammerer mit einem Fiaker ins Polizeigefangenenhaus in der Theobaldgasse (Wien 6.) eingeliefert. Die Polizei gab erst zwei Tage später, am 1. März 1884, die Verhaftung Anton Kammers bekannt.

Wegbeschreibung:
Blindengasse 28 Wien 1080
Florianigasse [Ecke Uhlplatz]
Bennoplatz Bennogasse 
Benogasse Ecke Josefstädter Straße
Stolzenthalergasse Ecke Josefstädter Straße
Stolzentahlergasse Ecke Lerchenfelder Straße
Kirchenplatz
Schottenfeldgasse Ecke Bernardgasse
Leonhardsgasse
Zieglergasse Ecke Bernardgasse
Bernadgasse 2 

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