Anton Anderle (1852–)
Persönliche Daten
Biographie
Wer in den 1880er-Jahren alles als »Anarchist« gehandelt wurde, zeigt der Fall des Drechslergehilfen Anton Anderle.
Anton Anderle kam am 21. Juni 1884 nach Wien und versuchte in auffallend unbeholfener Weise, Geld aus der Kasse des Fleischselchers Ignaz Schachenhuber in Wien 2., Langegasse 21, wo nur die Kassiererin anwesend war, zu rauben. Als diese ihm ein Almosen aus der Kasse geben wollte, versuchte er, die Geldkasse wieder aufzureissen, die sie aber inzwischen wieder verschlossen hatte. Der gerade in das Geschäft eintretende Sohn des Inhabers hielt ihn fest und übergab ihn einem Sicherheitswachmann. Anderle wurde danach wegen versuchten Raubes ins Landesgericht Wien eingeliefert. Anton Anderle wurde aufgrund der Ausnahmsverordnungen vom 30. Jänner 1884 wegen anarchistischer Umtriebe aus Niederösterreich ausgewiesen.
Anfang März wurde Anton Anderle im Wiener Prater wegen bedenklichen Verhaltens festgenommen.Am 10. März 1885 wurde ihm vor dem Bezirksgericht Leopoldstadt (Wien 2.) der Prozess wegen verbotener Rückkehr gemacht. Der Richter zog den Polizei-Bezirksarzt bei. Auf dessen Frage, warum er so merkwürdige Antworten gäbe, meinte Anton Anderle: »Ich rede mit dem Geiste Gottes und verkehre mit demselben per Telephon.« Und auf dessen weitere Frage antwortete Anderle, er sei »von dem Kaiser Franz Joseph im Namen der Genauigkeit des Geistes Gottes ausgewählt worden.«1 Anton Anderle wurde daraufhin freigesprochen und in die Psychiatrische Abteilung des Wiener Allgemeinen Krankenhauses eingeliefert.
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Autor: Reinhard Müller
Version: März 2025
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Zitiert nach [anonym]: Gerichtssaal. [/] Wien, 10. März, in: Wiener Allgemeine Zeitung [/] Morgenblatt (Wien), [6]. Jg., Nr. 1806 (11. März 1885), S. 7.