Josef Reinisch (1842–)
Persönliche Daten
Biographie
Vom 11. bis 25. Juni 1884 fand vor dem Landes- als Schwurgericht Graz (Steiermark) der Prozess gegen zweiundzwanzig aufgrund der Denunziation des Schuhmachergehilfen Franz Pronegg (1833–1886) festgenommene Radicale wegen Verbrechens des Hochverrats statt. In den Verhandlungen wurde mehrfach ein Gelbgießer Anton Sirani genannt. Dieser wurde während des Prozesses am 18. Juni 1884 durch die Aussage eines Zeugen eines angeblich zweiten Attentats auf den Kaiser verdächtigt und habe damit das Verbrechen des Hochverrats begangen. Schon damals vermuteten die Behörden, dass »Sirani« ein Anagramm von »Rainiš« sei und dass er tatsächlich »Rainisch« heiße. Noch am 18. Juni 1884 erließ das Landesgericht Graz einen Steckbrief: »2324 Sirani Anton, Gelbgießer, über 30 J. alt, groß, stark, mit bld. Schnurrb., deutschländischer Aussprache, gut gekl., ist als des Hochverrathes §. 58 a St.-G. beschuldigt, einzuliefern. Der Name Sirani dürfte falsch sein und derselbe Rainisch heißen, da Sirani durch Buchstabenumsetzung Rainiš gibt. Land. Ger. Graz 18/6. 84.«1
Anton Sirani wurde am 5. März 1885 als der noch immer flüchtige Tischler Josef Reinisch aus Hannsdorf (Mähren [Hanušovice, Tschechien]) identifiziert: »952 Nachtrag. Sirani Anton, – Bl. Nr. 42, Art. 2324 v. J. 1884 – heißt richtig Reinisch Josef, ist 42 J., Tischler, aus Hannsdorf in Mähren geb. u. hat starken, bld. Schnurrb. Land.-Ger. Graz 5/3. 85.«Schließlich stellte sih heraus, 2
Schließlich stellte sich heraus, dass Josef Reinisch doch nicht mit Anton identisch sei, weshalb die Oberstaastanwaltschaft Graz am 7. Jänner 1886 die Fahndung nach Reinisch widerrief: »Widerrufe: [!] 386 Reinisch Josef, falsch Sirani Anton, – Bl. Nr. 42 Art. 2324 v. J. 1884 u. Bl. Nr. 16 Art. 952 v. J. 1885. Ob.-Statsanw. [!] Graz 7/1. 86.«3
Die Fahndung nach Anton Sirani blieb allerdings gemäß Anordnung des Landesgerichts Graz vom 28. Februar 1886 aufrecht: »886 Erneuerung, beziehw. Widerruf. Die Steckbriefe gegen Sirani Anton, muthmaßlich Reinisch, – Bl. Nr. 42, Art. 2324 v. J. 1884 u. Bl. Nr. 16, Art. 952 v. J. 1885, Beide im Bl. Nr. 6, Art. 886 v. J. 1886 widerrufen – bleiben aufrecht, da Sirani noch nicht zu Stande gebracht wurde. Hiedurch entfällt die Verfolgung des Tischlers Josef Reinisch (Rainisch), 1842 gen., aus Hannsdorf, Bez. Mähr.-Schönberg. Land. Ger. Graz 28/2. 86.«4
Anton Sirani (~1854–?) wurde von den Behörden nie gefunden.
Karte
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Autor: Reinhard Müller
Version: Februar 2025
Anarchistische Bibliothek | Archiv | Institut für Anarchismusforschung | Wien
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[Anonym]: 2324 Sirani Anton, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 42 (25. Juni 1884), S. 165.
- 2
[Anonym]: 952 Nachtrag. Sirani Anton, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 16 (22. März 1885), S. 61.
- 3
[Anonym]: Widerrufe: [!] 386 Reinisch Josef, falsch Sirani Anton, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 14 (18. März 1886), S. 53.
- 4
[Anonym]: 886 Erneuerung, beziehw. Widerruf. Die Steckbriefe gegen Sirani Anton, muthmaßlich Reinisch, in: Central-Polizei-Blatt. Herausgegeben von der k. k. Polizei-Direktion zu Wien (Wien), Nr. 14 (18. März 1886), S. 53.