Schwan-Affäre

Daten
Zeitraum
29. September 1885
Beschreibung

Zeit: 29. September 1885
Ort: »Maschinen- und Werkzeugfabrik Johann Pacher« in Wien 7., Spittelberggasse 6
Beteiligte: unbekannt
beabsichtigtes Opfer: Zeugschmiedgehilfe Josef Schwan

Zur Vorgeschichte

Der Zeugschmiedgehilfe Josef Schwan, der in der »Maschinen- und Werkzeugfabrik Johann Pacher« in Wien 7., Spittelberggasse 6, arbeitete, erhielt im Juli 1885 ein Paket mit radicalen Flugschriften zur Verteilung. Wegen des Inhalts dieser Schriften unterließ er jedoch deren Verbreitung. 

Das Ereignis

Am 29. September 1885 gab um 18 Uhr 45 ein etwa 12-jähriger Knabe im Geschäftslokal der »Maschinen- und Werkzeugfabrik Johann Pacher« ein Zigarrenkistchen ab, welches er dem dort arbeitenden Josef Schwan übergeben sollte. Nachdem der Junge das Geschäft verlassen hatte, öffnete Josef Schwan das an ihn korrekt adressierte Kistchen, welches zwei Kilo Gewehrpulver, fünfzig Kieselsteine und eine brennende, auf fünf Minuten Brenndauer berechnete Zündschnur enthielt. Josef Schwan schleuderte das Kistchen auf die Straße und übergoss dieses mit Wasser. Danach wurde das Sprengkistchen von den Behörden sichergestellt. Hätte die brennende Lunte gezündet, wären wohl viele der etwa dreißig Schmiedegesellen in dem anschließenden Werkraum und vermutlich auch der überbringende Knabe verletzt worden.

Polizeiliche Verfolgung

Zunächst ging man von einem bösen Bubenstreich aus, doch rasch vermuteten die Behörden dahinter eine Racheaktion der Wiener Radicalen. Der Knabe, der das Paket überbracht hatte, gab später an, das Kistchen von einem unbekannten, 25- bis 30-jährigen Mann mit schwarzem Filzhut erhalten zu haben, der dann auch von anderen Personen an der Ecke Spittelberggasse / Siebensterngasse gesehen worden sein soll. Dieser Attentäter konnte jedoch nie ausgeforscht werden.

Dieser Vorfall, die so genannte Schwan-Affäre, veranlasste die Sicherheitsbehörde, sämtliche Wachorgane über die Behandlung aufgefundener Explosivgeschosse unterrichten zu lassen. Die Schulung fand am 8. Oktober 1885 in der Sicherheitswach-Kaserne Wieden in Wien 6., Igelgasse 18 [Johann-Strauß-Gasse], durch einen Techniker statt.

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